Was ist Rock?
Erinnert man sich heute durch Bücher wie „Let The Good Times Roll“ von Star Club-Gründer Horst Fascher an seine Pionierzeit, ist man fasziniert von der Wildheit dieser Tage. Sinnlichkeit, Hysterie, Exzess, Männerprügeleien, Frauengeschichten, Leidenschaft. Der Schriftsteller Matthias Politycki forderte Ende der 90er sogar die Literatur auf, endlich mehr wie der Rock’n’Roll zu sein. „Guter Rock“, schreibt er, „ist eine Sache der Kraft, des Kraft-Überschusses, Kraft-Verschwendens an andre und nicht etwa ein solipsistisch in Szene gesetzter Kraftmangel.“
Was den Dichtern laut Politycki fehlte, fehlt heute auch dem Rock. Das Wilde, Offensive, jugendlich Männliche wurde hierzulande durch Teile der Musikpresse als reaktionär verschrieen und bekam den Stempel „Rockismus“ aufgedrückt. Indie, Alternative und ‚Shoegazer’ bemühten sich in Sparten um eine andere Art des Rocks; verschlufft, ironisch, gerne verkopft. Auch hier: ein „in Szene gesetzter Kraftmangel“. Die alte Hau-Drauf-Offensive akzeptierte man allenfalls noch aus Australien, Skandinavien, den USA oder Kanada; in Deutschland belächelte man derartige Bands spätestens wegen ihrer im Diskurs nicht bestehenden Texte. Die Redaktionen abseits der Hardrock- und Mucker-Fachpresse pinnten sich Listen verbotener Begriffe an die Wand, u.a. die Charakterisierung einer Band als „ehrlich“ oder „authentisch“. So outet sich als naiv, wer immer noch erwartet, dass die Musiker mit ihrem Werk verschmelzen und ihr Innerstes nach Außen kehren sollten.
Die deutsche Band, die den „ehrlich und authentisch“-Stempel glitzernd auf der Stirn trägt, ist El*ke. Drei junge Männer, die in ihrer Berliner WG Europas einziges Ramones-Museum beheimaten, seit dem Debüt 2004 erst mal 200 Konzerte spielten und direkt ein Live-Album veröffentlichten. Dabei haben sie sich den Stempel nicht selbst auf die Stirn geklebt. „Was heißt schon authentisch?“, sagt Sänger Peter, „wir machen auch nur einen Job, aber dafür einen großartigen.“ Die neue Platte nahmen sie teilweise wieder in der Scheune im Emsland auf, in der für die Provinzflüchtlinge alles begann. Als Produzent half ihnen mit Peter Schmidt ein Mann, der bislang fast ausschließlich als Mixer der Nation arbeite, u.a. für Selig und die Beatsteaks. Das Schlagzeug wurde doppelt abgenommen und durch eine im Studio aufgebaute Live-P.A. gejagt. „Statt sechs Gitarren hört man oft nur noch eine, die aber richtig, inklusive des Quietschens der Saiten beim Umgreifen“, wie Peter berichtet. Diese altmodische Direktheit folgt keinem Plan, keinem –Ismus, sondern lediglich dem Wesen der drei Männer. Auf die Frage, was für ein Film El*ke wäre, antworten sie wie aus der Pistole geschossen: „Bang Boom Bang“. Dann folgen im Fahrwasser des Ruhrpott-Dramas Western, James Bond-Film und Porno. „Hubi würde sich wie Batman ins Geschehen stürzen, während Mücke in Ruhe alles beobachtet und Peter verzweifelt um die Frau kämpft.“
„Nach einem Konzert in der Schweiz sprach uns eine Blinde an", erinnert sich Peter. „Sie sagte: ‚Ich kann euch zwar nicht sehen, aber ihr klingt für mich wie visuelle Junkies.’“ Will sagen: Besessen von der Musik, manisch in ihrer Ausführung, rastlos in der Energie, die sich überschlägt und erst an der Schwelle zur Hysterie Halt macht. Das neue Album „Wir müssen hier raus“ reizt diesen Drang konzentrierter als zuvor aus und bietet: ROCK. Stoner-, Punk-, und Road Movie-Rock, mit Ausflügen in NDW-Naivität und sogar Songwriter-hafter Nachdenklichkeit („5 Minuten“). Es spuckt einem in jeder Minute genau den Kraft-Überschuss entgegen, der dem Rock verlorengegangen ist. Hier bekommt man ihn wieder.
„Wir sind nicht Alternative“, sagt Peter wie selbstverständlich.
Genau das ist das Erfrischende daran.
Am Donnerstag war ich in Hamburg auf Eurem Konzert. Es war mal wieder supergeil!!! Meine Favouriten von der neuen Scheibe sind "Häuser stürzen ein" und "Tanz ab". Freue mich schon tierisch auf die neue Platte!!! Danke für den schönen Abend in der Prinzenbar. Habe übrigens ein kleinen Blog auf meinem Profil geschrieben und Fotos gibt es auch. Hoffe, Ihr seit damit einverstanden.(:
Dem kann ich nur zustimmen - absolut geile Show und klein Dani vorne am rumhopsen... Auch wenn ich erst Freitag früh um 8 wieder daheim war, es hat sich gelohnt!