„Und wenn am Himmel die Sonne untergeht, hat sich die Welt wieder mal kein Stück bewegt.“
So singen „Angry“ in ihrem Song „kein Bock“ und erzählen von Stagnation und Hilflosigkeit. Die Erde dreht sich aber weiter und so dreht man sich einfach mit. Wenn auch widerwillig.
Man kennt das Gefühl. Das Konzert ist vorbei, geschwitzt, betrunken und reizüberflutet stürzt man kopfüber auf die Rückbank des Autos vom guten Freund oder der guten Freundin. Die Heimfahrt über die nächtliche Autobahn wird mindestens eine Stunde dauern. Es ist Zeit sich über einiges klar zu werden, gerade gewonnene Eindrücke zu sortieren, die großen Fragen des Lebens zu stellen und dabei gedankenverloren die vorbeiziehenden Lichter von Autos, Dörfern, Städten und Strassen zu beobachten. Der Soundtrack für einen solchen Moment muss einfach stimmen.
Und während man gerade noch alle Konzentration darauf verwenden muss, die „wirklich allerletzte“ Zigarette des Abends zu drehen, legt der Beifahrer eine Cd mit der ominösen Aufschrift „Angry“ in den Player.
„Angry“, das sind Andre Führer und Michael Braun, ehemals aus Limburg, heute aus Mainz. Ihre Musik weiß genau solche Momente in die entsprechenden Bilder zu verpacken, dem Ansturm von Gedanken ein Ventil zu verschaffen und all den verlorenen Seelen auf die Schulter zu klopfen. Alles ist scheiße, aber wir können nichts dafür, was bleibt außer es so hinzunehmen, alles aufzuschreiben und Songs daraus zu machen.
Ihre beiden bestehenden Bands teilten einige Male die Bühne, und obwohl man dort verschiedenen Musikstilen nachgeht (Andre macht Hip-Hop mit „Kopfhörer“, Michael Indie-Rock mit „Straight No Chaser“) war sehr schnell klar, dass die Plattensammlungen mehr als eine Überschneidung aufweisen. Ihre Begeisterung für Singer/Songwriter-Musik mit Hang zum Fatalismus, sowie breitgestreute Vorlieben für digital aufgemotzte Bands wie Notwist oder Patrick Wolf ließen ein erstes Bild entstehen. Im Jahr 2004 fand man sich in Andre’s Heimstudio ein, um zunächst nur dieser groben Skizze zu folgen.
In den folgenden zweieinhalb Jahren formte sich aus der Grundidee eine eigene musikalische Identität, welche die ehemals zugrunde liegenden Vorbilder hinter sich ließ. Zwar ist da noch ein Beat und eine Gitarre, aber beide passen sich soweit an die textliche Grundlage an, dass alles von treibendem Synthi-Pop bis hin zu einem reduzierten Aufflackern von Streichern, Piano oder eben Akustikgitarre möglich ist.
Zu ihren Klängen erzählen „Angry“ Geschichten ihrer Gegenwart, von der letzten enttäuschten Liebe, von der Verzweiflung des westlichen Lebens oder vom täglichen Duell mit dem Alltag, in dessen verhasstem Klammergriff man sich befindet.
Bei den geplanten Live-Auftritten wird man diese Emotionen auch visualisiert wieder finden, „Angry“ arbeiten momentan an der Verfilmung eben solcher Gemütszustände, um sie zur Bekräftigung ihrer Songs an die Wand zu beamen.
Das Album „Jetzt“ wird im Laufe der nächsten Monate das Licht der Welt erblicken, und vielleicht auch seinen Weg auf die kalt-nassen Autobahnen dieser Welt finden, um nachdenkliche Stunden zu untermalen. Und wenn man zufälligerweise „nur“ nüchtern einen Abend zuhause verbringen will, tut es das heimische Bett, eine gemütliche Achterbahnfahrt durch den ganz normalen Wahnsinn unserer Zeit, und das seltsame Gefühl verstanden zu werden. (Peter Nowak)