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Klappentext
Niemand käme auf die Idee, dass die fünfundzwanzigjährige Lena Meier-Bellé eine größere Schwäche haben könnte als ihre Kaffeesucht. Sie ist jung, sieht gut aus und ist in ihrem Job überaus erfolgreich. Kein Wunder also, dass sie von der bekannten Rockband ROCKX als Imageberaterin angeheuert wird und die vier Bandmitglieder einige Wochen auf deren Promotiontour begleiten soll.
Doch schon nach kürzester Zeit treten die ersten Konflikte zwischen Lena und den Jungs auf und es wird schnell klar, dass Lenas größte Schwäche ganz sicher nicht ihre Kaffeesucht ist.
Wiederkehrende Albträume, rätselhafte E-Mails und eine plötzliche Flucht werfen die Frage auf, welches Geheimnis Lena nicht nur vor der Band sondern auch vor ihren Freunden verbirgt.
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Titel: B:SEITE - dahinter alles anders
Verlag: Lerato-Verlag
ISBN-10: 3938882573
ISBN-13: 978-3938882573
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Hörprobe
B:SEITE - dahinter alles anders: Kapitel 1 »
(mp3 · 23:23min · 21,7 MB)
Textauszüge
[…] Es war Florian, der Drummer, welcher sich nach vorne beugte, die Arme vor der Brust verschränkte und sie misstrauisch anblickte. „Hab ich das richtig verstanden, dass du uns nicht ein vorbildhaftes Image andichten willst, sondern uns so verkaufen willst, wie wir sind?“ Lena lachte, schon wieder! Es kam selten bis gar nicht vor, dass sie im ersten Meeting mit einem möglichen neuen Kunden lachte. „Richtig verstanden. Es glaubt uns kein Mensch, wenn ihr euch abends auf einer Party mit Kamillentee abfüllt und Bioriegel knabbert. Aber jeder Mensch hat ja nun auch seine positiven Seiten. Und die gilt es hervorzuheben.“ Florians Blick wanderte erst zu Lasse, dann zu Finn und schließlich zu Malte. „Cool!“ Das anfängliche Desinteresse schien bei den vier Bandmitglieder Neugier zu weichen, als sie sich in ihren Stühlen aufrichteten und Lena ansahen.
Ihr Blick glitt zu Daniel Benzer und der Frau von Universe Sounds, die sich während des ganzen Gesprächs Notizen machte. „Das wäre mein erster Vorschlag. Wie es nun weitergeht, müssen Sie entscheiden. Wir können zunächst ein Grobkonzept erarbeiten und Ihnen dies zur Verfügung stellen, damit Sie sich leichter entscheiden können. Wir können aber auch direkt in die Vollen gehen. Über eine Zusammenarbeit würden wir uns selbstverständlich sehr freuen!“ Sie beobachtete, wie Herr Benzer die vier Jungs fragend ansah und diese nickten. Lena hatte nicht wirklich geglaubt, dass die Jungs ein Entscheidungsrecht trugen, was aber nun doch deutlich danach aussah. „Nadine, was meinst du?“, wandte er sich schließlich an die junge Frau neben sich.
Diese nickte, ohne ihren Blick wirklich von den Aufzeichnungen vor sich abzuwenden. „Wenn die Jungs es machen wollen, okay. Wir müssen noch über das zur Verfügung stehende Budget sprechen, aber das kann ich mit Frau Meier-Bellé auch später machen.“ Lena zog ihre Visitenkarten aus der Ledermappe vor sich und schob Herrn Benzer und Frau Leupen jeweils eine zu. „Das Budget gehen Sie am besten mit unserem Finanzkoordinator durch. Das sind Dinge, um die ich mich, Gott sei Dank, nicht kümmern muss.“ Sie lächelte freundlich, um nicht überheblich zu klingen.
Nun war es erneut Daniel Benzer, der sie anlächelte. „Dann freu ich mich auf die Zusammenarbeit. Was werden Ihre ersten Schritte sein?“
„Wie ich schon sagte: Als erstes müssten wir die Jungs besser kennen lernen, um herauszufinden, was sie für Typen sind.“ Sie sah aus den Augenwinkeln, dass Lasse skeptisch dreinblickte und ein Knie gegen die Tischplatte stemmte. Mit verschränkten Armen musterte er Lena, was ihr spürbar unangenehm war. Als sie jedoch kurz seinem Blick begegnete, sah er augenblicklich in eine andere Richtung
„Einer meiner Kollegen wird Sie rund einen Monat begleiten. Tour, Termine, Studio, was eben so ansteht. Danach werden wir uns dann zusammensetzen und uns eine möglichst erfolgreiche Strategie überlegen“, fuhr sie fort. […]
[…] „Ich habe heute Morgen einen Anruf von Ihrem neuen Kunden bekommen. Er war sehr begeistert von Ihrem Elan und Ihrer Einsatzbereitschaft.“ Ihr Blick wurde skeptischer, doch Herr Abels fuhr unbeirrt fort. „Und aus diesem Grund bat man mich um Ihre Freistellung, damit Sie persönlich ein Profil des neuen Kunden erstellen können.“ Er machte eine kurze Pause, legte den Kopf etwas schräg und beobachtete ihre Reaktion. Als er jedoch keine erkennen konnte fügte er hinzu. „Und weil Sie so großartige Arbeit leisten, habe ich der Bitte des Kunden zugestimmt. Unter der Voraussetzung, dass Sie jeder Zeit erreichbar sind und sich auch weiterhin um Ihren anderen Kunden kümmern.“
Langsam dämmerte Lena, um was es hier ging. Das konnte nicht wahr sein. Daniel hatte nicht wirklich ihren Chef angerufen und um Ihre Freistellung gebeten! Sie musste nicht wirklich vier Wochen mit dieser Band auf Tour gehen! Sie, die ohne Internet und Telefon nicht leben konnte, und der ihr Büro das Wichtigste überhaupt war. Sie musste sich stark zusammenreißen, um nicht laut fluchend aufzuspringen. Ihr Chef glaubte, ihr einen Gefallen zu tun. Es wäre mehr als unhöflich gewesen, sich nun undankbar zu zeigen. Sie lächelte.
„Herr Abels, das ist wirklich nicht nötig! Ich dachte, dass Herr Böcker das übernehmen könnte, immerhin ist er der Spezialist auf dem Gebiet.“ Sie versuchte, ihren Chef von seinem Vorhaben abzubringen. Erfolglos. „Frau Meier-Bellé, ich glaube kaum, dass es etwas gibt, was Sie nicht bewältigen können. Sehen sie es als Chance, etwas dazuzulernen und mal aus dem tristen Agenturleben auszubrechen!“ ‚Chance? Tristes Agenturleben? Ich liebe dieses Leben!’ Innerlich aufgewühlt und stinksauer rang sie sich erneut ein Lächeln ab. Lena nickte, erhob sich und gab ihrem Chef die Hand. Bemüht, nicht ironisch zu klingen, brachte sie ein „Vielen Dank“ hervor und verließ das Büro. […]
[…] „Das hast du geschafft“, flüsterte sie und ließ ihren Blick auf den Boden zu ihren Füßen fallen. „Was?“, entgegnete er ebenfalls leise. „Mir weh zu tun.“ Sie sah wieder auf, und als sich ihre Blicke trafen, erkannte sie, dass ihr letzter Satz in ihm Schuldgefühle geweckt hatte. Das Problem zwischen Lasse und ihr war das fehlende Vertrauen, und Lena musste sich eingestehen, dass sie sich in ihrem Gegenüber getäuscht hatte. Nicht Finn war der Misstrauische, wie sie ihm unterstellt hatte, sondern Lasse. Finn war zurückhaltend, beobachtete eine Situation erst, bevor er sich beteiligte. Lasse hingegen überspielte seine Unsicherheit und dass es ihm anscheinend schwer fiel, Vertrauen zu Fremden aufzubauen. Wenn er ihr vertrauen sollte, gab es nur eine Möglichkeit: Sie musste sich ihm zuerst offenbaren.
„Ich hatte keinen Bock auf diesen Job. Ich wollte nicht mit vier pubertierenden Jungs vier Wochen durchs Land ziehen. Ich bin nur hergekommen, weil mein Chef es von mir verlangt hat. Und dann habe ich erkannt, dass ihr keine Kinder mehr seid. Dass ihr unheimlich nette und lustige Jungs seid und dass man mit euch viel Spaß haben kann. Ich wollte mir das nicht eingestehen und habe versucht, das Ganze geschäftlich zu betrachten. Aber als ich heute meinen Bericht über euch weiterschreiben wollte, konnte ich nicht. Unser Streit hat mich verfolgt. Ich hab seit Jahren nicht mehr mit jemandem gestritten, außer es ging um geschäftliche Dinge. Mir ist dieses Zwischenmenschliche inzwischen so fremd, dass ich nicht weiß, wie ich mit dir umgehen soll. Es war mein Fehler, Lasse.“ […]
Die Autorin » Pia Januszek
Pia Januszek, Baujahr 80, geboren und aufgewachsen in Köln, ist das jüngste von drei Kindern. Ihr Altersdefizit von zehn bzw. dreizehn Jahren zu ihren Geschwistern hat ihr die Position des verwöhnten Nesthäkchens gesichert.
Nach dem Abitur zog sie aus dem Rheinland in die Weiten Deutschlands und verbrachte ein Jahr in Baden-Württemberg und dem wunderschönen, aber im Winter bitterkalten Allgäu. Nach einer dreizehnmonatigen Dienstzeit bei der Bundeswehr kehrte sie schließlich zu ihren Wurzeln zurück und begab sich in die Ausbildung zur Medien- und Marketingberaterin.
In der Zwischenzeit wechselte Pia Januszek von der Schreibtischseite der Medien- und Marketingberaterin auf die der Marketing-Managerin, von der linken auf die rechte Rheinseite und von Anfang zwanzig hin zu Ende zwanzig.
Seit 2002 bloggt sie unter der Domain www.ego-zentrale.de über ihr belangloses Leben, tiefsinnige Philosophien, gemeine Kritiken und belustigendes Allerlei. Aus der Sehnsucht wurde eine Sucht, welcher die Autorin inzwischen beinahe täglich frönt.
Mit "B:SEITE – dahinter alles anders" erscheint 2007 ihr Debütroman im Lerato-Verlag.