Unbestritten war die Band SchleimKeim eine der in Ost und West populärsten Ikonen des DDR-Punks.
Gegründet Anfang der 80er in der Nähe von Erfurt produzierte sie
Skandale am laufenden Band, die wie alles, was die Band tat, von Dieter
Ehrlich, genannt "Otze", ausgingen.
"Satan kannst du mir noch mal verzeihen ..." war einer der wenigen
Post-DDR-Songs der Band von dem Album "Abfallprodukte der Gesellschaft",
dem das Buch auch seinen Namen verdankt.
Das Buch besteht hauptsächlich aus Interviews und Zeitzeugenerinnerungen
von Bandmitgliedern, Jungpfarrern aus Erfurt, Weimar und Jena und
Kumpanen Ehrlichs. Doch das Buch liefert keine reine Fallstudie des
mittlerweile legendären Bandleaders, sondern vor allem auch ein
eindrucksvolles Potrait der Punkszene in der DDR. Seien es die ständigen
Konflikte mit Stasi und Gesellschaft und den Einfluss der evangelischen
Gemeinden in dieser Beziehung. Wurden viele der Punkrockkonzerte in
Kirchen und Jugendclubs der Protestanten abgehalten. Auch wenn man sich
heute kaum noch vorstellen mag wie Punks in Kirchen zechten, Altare
demolierten und die Pastoren mit den hiesigen Alkoholleichen umsprangen.
20 Jahre nach dem Fall der Mauer wären derartige Konzerte in
Kirchenmauern niemals mehr vorstellbar. Doch in der Abneigung gegenüber
dem SED-Regime waren sich Gottlose und Gottesmänner dann doch verbunden,
auch wenn SchleimKeim in so manchem Gotteshaus schlussendlich
hausverbot bekam, da ihre Konzerte konsequent in Orgien und Schlägereien
ausarteten - so das es wohl auch so manchem liberalem Priester zu viel
wurde.
Die Lebensgeschichte Otze Ehrlichs und die der Band SchleimKeim sind
untrennbar miteinander verbunden, denn Otze WAR SchleimKeim, wie sich
nach seinem Tod Ende der 90er herausstellen sollte. Dennoch sein Leben
und Sterben waren so abenteuerlich und durchtrieben, dass so mancher
Romanautor vor Neid erblasst wäre.
Aufgewachsen in bäuerlichen Verhältnissen im Dorf Stotternheim, nahe
Erfurt. Die Familie hatte sich geweigert in die LBG einzutreten, weshalb
die Familie bei Nachbarn und MfS von Anfang an verdächtig aussah. Der
Sohn fiel bereits in der Schule durch Gehorsamsverweigerung auf, brach
die Schule und Lehre ab, wurde Punk. Lebte den No-Future-Mythos. Galt
als Gewälttätig. Zog Wochenlang umher, kam schließlich jedoch immer zur
Mutter zurück. Lebte zeitweilig in Erfurt, Weimar und Ostberlin. In der
Hauptstadt begann dann sein langsamer Abstieg durch Partydrogen. Dort
produzierte er die Platte "DDR von Unten" für die er fast 4 Jahre im
Stasiknast zubrachte. Schließlich wurde Ehrlich immer unberechenbarer.
Glaubte an Satan. Landete mehrmahls im Knast. Besorgte sich Geld über
Tätigkeiten als IM. Nach der Wende starb seine Mutter. Er landete
mehrmals in der Psychiartrie. Und erschlug schließlich seinen Vater mit
einer Axt, nachdem dieser ihn für Unzurechnungsfähig erklären lies.
Wenig später starb Dieter Ehrlich alias Otze im Gefängnis.
Das umrahmt das Buch zusätzlich noch mit nach der Wende freigegebenen
Berichten des MfS - inklusive, behördlicher Schreibfehler.
Bei all dem, lohnt sich das Buch?
"Satan kannst du mir noch mal verzeihen ..." ist vor allem geeignet für
Leute, die in das Thema Punk in der DDR, sowie
SchleimKeim-Bandgeschichte einsteigen wollen. Für den gestandenen
SchleimKeim-Fan hingegen bietet das Buch wenig Neues. Wer also auf
überragende Neuentdeckungen im Leben und Schaffen Dieter Ehrlichs hofft,
der hofft vergebens.
Gut geschriebenes Zeitdokument einer im Ostalgismus fast vergessenen Ära.
Der gut aussehende Sohn einer Familie von
Fischereiunternehmern Barnabas Collins (Johnny Depp) wird von einer
rachsüchtigen Hexe (Eva Green) in einen Vampir verwandelt. Als wäre das
nicht noch strafe genug verbuddelt die ihn auch irgendwo im Wald.
Erst 200 Jahre später, in den frühen 70ern, befreien ihn einige
unvorsichtige Bauarbeiter aus seinem irdenen Gefängnis. Reichlich
verwirrt und kulturell schockiert macht er sich auf die Suche nach der
Hexe, um den Bann, der auf ihm und der Familie Collins liegt zu brechen.
Zugegeben, nach dem für mich schwer enttäuschenden "Alice im Wunderland"
hatte ich doch eher geringe Erwartungen, da auch dieser Tim Burton Film
unter den Fittischen von Disney entstand - von denen Burton sich ja
bereits in den 80ern getrennt hatte, weil die damalige Disneyführung
seine Filme zu familienuntauglich fand. Wie sich Zeiten ändern.
Ich habe dem letzten, großen Rebell und Märchenerzähler Hollywoods ernstlich Unrecht getan.
"Dark Shadows" ist schlichtweg großartig und eine tolle Hommage an die
Vampirfilme der 30er bis 50er Jahre. Als Vampire noch schwarzromantische
Erotik versprühten und noch richtig litten - anstelle sich anzustellen
wie der letzte Emo auf Erden. Und in diesem Punkt spielt Johnny Depp
Barnabas einfach genial. Der stocksteife, biedere Vampir, der die Herzen
der Frauen erobern will indem er ihren Vätern Schafe schenkt und
Gedichte rezitiert. Besondern herzlich wird das Ganze natürlich wenn es
zum wahren Cultureclash zwischen 1760 und 1972 kommt. So lebt der Film
natürlich auch von seinem fabelhaften Hauptdarsteller der mit dem
schrulligen Barnabas, der immer da sitzt als habe er ein Brett im Kreuz
einmal mehr eine Figur auf die Leinwand bringt, die ähnlich
kultverdächtig ist wie einst Depps Captain Jack Sparrow im ersten "Fluch
der Karibik".
Darstellerisch ist der Film ohnehin allererste Sahne. Sei es nun Helena
Bonham-Carter als durchgeknallte Psychiaterin, Eva Green als kalte,
berechnende Hexe oder den tollen Cameos von Mr Dracula Christopher Lee
und Alice Cooper als er selbst. Gerade das Duell Johnny Depp vs. Eva Green ist da sehr gelungen und verleiht dem Film das gewisse etwas an
schwarzer Erotik. Zugegeben, mir ist es ein Rätsel wie Burton die
entsprechende Sexszene bei Disney durchbringen konnte, da sie durchaus
ein Maß an sexuellen Reiz mit sich bringt, die die typische
Disneyzielgruppe wohl nicht so ganz verstehen könnte.
Obwohl "Dark Shadows" atmosphärisch ein sehr typischer Tim Burton ist -
mit düsteren, victorianischen Hallen, großartigen, schrägen Sets und
Make-Ups und dem entsprechenden Score von Danny Elfman (wer sonst!) -
würde ich ihn jedoch mehr in die Richtung von "Beetlejuice" oder "Corpse
Bride" einordnen anstelle von "Sleepey Hallow" oder "Sweeney Todd", da
der Film der Zielgruppe entsprechend blutleer ist, was keineswegs
bedeuten soll er hätte kein Blut! Zumal der Film voller spritziger
Ironie mit dem Genre Vampirfilm umgeht und anders als seine beiden,
berühmten victorianischen Gruselklassiker mit weit weniger ernst daher
kommt. Das heißt allerdings nicht, dass der Film ein Comedyfilm oder gar
Parodie ist. Ganz bestimmt nicht. Er ist wie viele von Burtons Filmen
eine Hommage an die alten Horrorgenres, in denen Brutalität nicht so
eine große Rolle spielte wie faszinierende Düsternis, finstere
Antihelden und märchenhafte Annekdoten. Mit anderen Worten;
Schwarzromantiker werden sich sofort pudelwohl fühlen!
Wer Tim Burton und Johnny Depp mag kann hier eigentlich nichts verkehrt
machen. Das Dream-Team hat mal wieder zugeschlagen und mir zwei Stunden
lang großartige Unterhaltung geboten.
Eigentlich soll es ein Wahlkampfmanöver
werden: Der farbige Astronaut James soll auf dem mond vor Wahlplakaten
von Sarah palin posieren. Dummer Weise wird die Crew von Mondmännschen
der ganz besonderen Art überfallen: Nazis. Die sind 1945 auf die dunkle
Seite des Mondes geflüchtet und bereiten seitdem eine Invasion auf die
Erde vor. Dumm nur, dass das 4. Reich immer noch mit alten Zählcomputern
rechnet. Als die Nazis jedoch James' Smartphone in die Hände bekommen
scheinen sie endlich genug Rechenkraft zu besitzen um ihr gewaltiges
Kampfschiff "Götterdämmerung" startklar zu machen - dummer Weise ist im
entscheidenten Moment der Akku alle.
Und so wird James, zusammen mit weiten Nazidumpfbacken vom Reichskanzler
(Trashikone Udo Kier) auf die Erde geschickt, um dort weitere Computer
zu beschaffen. Auf dem Planeten angekommen legen sich die Nazis mit
Hanffarmern und Skinheads an, werden von Palins Wahlkampfberaterin als
Maskottschen entdeckt und richten mehr Chaos an als unsereins
"Blitzkrääg!" rollen kann.
Dass "Iron Sky" sich nicht ernst nimmt braucht wohl keiner weiteren
Erläuterung. Der Film ist fieser, satirischer Edeltrash vom feinsten.
Und anders als etwa ein Quentin Tarantino in seinem völlig
überbewertetem "Inglorious Basterds" versucht der Film gar nicht erst
irgendwie intelektuell zu wirken.
Nein, "Iron Sky" ist Humbug! Das muss so gesagt werden. Völlig
idiotischer, dämlicher Humbug! Doch wie man als Trashfan weiß ist Humbug
nicht gleich Humbug. Und so ist der Film diese Art Humbug, die kein
Blatt vor den Mund nimmt und mit Vergnügen auch den König des modernen
Humbugs zitiert (Nein, nicht Tarantino! Hört endlich mit diesen
Beleidigungen auf!) Ed Wood und Charlie Chaplin. Auf die eine oder
andere Weise wird "Iron Sky" da zur Hommage an Woods "Plan 9 from
Outer-Space" und natürlich Chaplins "Der große Diktator", versetzt mit
bissiger Satire gegen Tea-Party und das republikanische, herrlich
treudoofe Amerika. In Sachen Doofheit stehen die Amerikaner im Film den
Mondnazis in nichts nach.
Klar, "Iron Sky" wir einigen Leuten überhaupt nicht gefallen. Bei wem
das Herz aber auch nur ein bisschen für den wahren Trash schlägt, der
sollte sich den Film nicht entgehen lassen. Ich werde mir den film auf
jeden Fall in nächster Zeit nochmal im Kino ansehen. Ganz große klasse
... oder sollte ich sagen; ganz große Scheiße?
Der Name der Doku ist Programm und "Mixtape", die wohl beste
Bezeichnung, denn es handelt sich bei dem film um keine Dokumentation im
üblichen Sinne. Vielmehr werden chronologisch nach den Jahren 1967-75
selten gezeigtes Originalmaterial und Kommentare von Martin Luther King,
Malcom X, Angela Davis u.a. Mitgliedern der pazifistischen Seite, aber
ebenso von den militanteren Black Panthers gezeigt.
Das große Plus ist dabei für mich, dass über die Originalaufnahmen keine
Synchro gelegt wurde, sondern der Film nur untertitelt wurde. Auch,
wenn das manchen sicherlich stören mag, da auch Beiträge auf Französisch
und Schwedisch enthalten sind. Dennoch trägt das viel zur authentischen
Atmosphäre des Films bei.
Allerdings muss gesagt werden, dass der Film nicht die Geschichte der
Black Power Bewegung nachzeichnen will im Sinne von bildungsbürgerlichen
Bildungsfernsehen, sondern einzig und allein den Anspruch hat das Bild
um die Bewegung zu komplettieren mit vorher kaum gezeigtem Material und
Kommentaren.
Daher kann ich keine uneingeschränkte Empfehlung an jeden rausgeben,
denn so mancher wird sich an diesem "Mixtape" stören, an dem
Patchworkaufbau, der u.a. auch vorraussetzt, dass der Zuschauer
zumindest schon einmal etwas von Black Power gehört hat und etwas mit
den genannten Persönlichkeiten anfangen kann ebenso wie mit den
damaligen und heutigen lebensumständen der Schwarzen in den USA. Völlig
Unbedarfte sollten sich von dem Film also erstmal etwas fernhalten, bis
sie sich zumindest die grundlegenden Eckpunkte der Bewegung angelesen
haben.
Wer sich für die Bewegung jedoch interessiert, dem kann der Film durchaus interessante Einblicke gewähren.