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"Wenn man auf ein Ziel zugeht, ist es wichtig auf den Weg zu achten, denn er bereichert uns während wir ihn zurücklegen" schreibt Paulo Coelho in seinem Buch "Auf dem Jakobsweg".
Als ich das Buch vor Jahren las, war ich mir absolut sicher, diese Aussage genauso bewusst und tiefgreifend zu verstehen, wie sie dieser wundervolle Autor gemeint hatte. Ich war damals gerade dabei mir während meines Studiums mit Backgroundjobs meinen Unterhalt zu verdienen und war der festen Überzeugung, dass das MEIN WEG, meine Durststrecke, meine Geduldsprobe sein müsse, um irgendwann an mein Ziel zu gelangen.
Soviel Bühnenerfahrung wie möglich zu sammeln, das Rampenlicht aus den Hintergrund zu geniessen, mich zu verbessern, zu lernen, um irgendwann einmal selbst die grossen Hallen als Künstlerin füllen zu können.
Über die Jahre ist mir jedoch klar geworden, dass ich zwar den richtigen Weg gegangen war und sicher auch die richtigen Entscheidungen getroffen hatte, um bereichert zu werden, aber eines musste ich mir eingestehen: das Ziel, auf welches ich hinarbeitete, für welches ich Niederschläge und Strapazen auf mich nahm, war alles andere als klar. Ich habe mich gefragt, was ich wirklich will. Und ich wollte viel mehr, als das was ich anfänglich glaubte.
Ich habe eine grosse Leidenschaft für Sprachen aller Art. Ich bin vernarrt in Wortspiele und Wortlaute und geniesse es ungemein, diese Liebe auf einer musikalischen Grundlage auszuleben. Meine grösste Faszination gilt der Sprache, die heutzutage allzu oft als hässlich, hart und unschön bezeichnet wird, dem Deutschen. Wie wunderschön klangvoll die Phonetik ist, wie unglaublich rhythmisch sie sein kann, wie vielfältig das Vokabular und wie umfassend die Literatur in dieser Sprache ist, begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Ich habe es mir zu meiner Aufgabe gemacht, wie manch andere erlesene Künstler ebenfalls, diese Schönheit in meiner Musik erneut aufleben zu lassen und sie dabei mit Themen zu verbinden, die mich als junge Frau bewegt haben. Liebe, Sexualität, Freundschaft, Selbstzweifel, Lebensfreude, Ängste, Familie.
Oft musste ich plumpe, kurzsichtige Kommentare dulden, die deutlich machten, dass manche sich schwer tun, bei der Wahl eines heiklen Themas wie Sex zwischen Sinnlichkeit und plumper Vulgärsprache zu differenzieren. Aber es ist möglich, in der Musik auf deutsch Themen wie Intimität zu verarbeiten, ohne auf drastische Beschreibungen zurückzugreifen und die Situationen genauso wiederzugeben, wie sie zwischen zwei Liebenden tagtäglich ablaufen, direkt und ungeniert.
Oder kann man etwa nur als Schöngeist gelten, wenn man über ernste und melancholische Dinge singt und schreibt?
Obwohl ich auch ernste Themen auf meinem Album besinge, nahm ich mir besonders vor, Leichtigkeit in Worte zu fassen, Unbeschwertheiten zu beschreiben, ohne dabei unerträglich schmalzig zu klingen. Darin lag eine, oder eher meine wirkliche Herausforderung.
Eine Frau zu sein, die sich nicht schämen muss, so zu sein wie sie ist, mit allen Gelüsten, Freakphasen, Schwächen und Macken. Und mein eigentliches Ziel ist es nur noch, diese pure Weiblichkeit nach aussen zu transportieren und in dieser Darstellung meiner Selbst auf ein paar verwandte Seelen zu treffen, die verstehen, was ich sage, wenn ich schreie: Ich will die Welt verändern!!! Die sehen, dass ich nicht an Grössenwahn leide, sondern dass sich nur so etwas bewegen kann. Die verstehen, das jeder von uns ein Licht in sich trägt, und dass wir vielleicht blind dafür geworden sind, weil wir nicht mehr genug hinsehen.
Immer wieder treffe ich seit Jahren auf Menschen, die wirklich zuhören. Auf Menschen, die mir ihre Bewunderung aussprechen und denen ich zehnmal dankbarer dafür bin, dass sie die wundervolle Qualität besitzen zu unterscheiden. Abgesehen von meiner Familie, deren Glück und Zufriedenheit, meine Lebensaufgabe ist, finde ich mich in einem Team wieder, welches mich an Tagen, an denen ich hasse, was ich tue (weil meine Liebe zur Musik nicht ohne Ehekrise verläuft ;-), immer wieder beweist, dass der Glaube, niemanden zu brauchen, der fatalste Irrglaube ist und wie wunderschön es ist, sich einzugestehen, dass es leichter ist, gemeinsam zu fallen und umso schöner ist, gemeinsam daran zu wachsen.
Wenn Jay Z sagt, man müsse sich etwas ganz genau und detailliert vorstellen, damit es Wirklichkeit wird, dann glaube ich heute, dass sich mein Bild langsam schärft und ich stelle mir vor, dass mein Album, für welches ich mir soviel Zeit gelassen habe, im nächsten Jahr erscheint und ich auf der Bühne stehe und für die Menschen singe, die meine Texte lieben und verstehen und mitsingen und denen ich dann dankbar sein darf, dass sie zugehört haben.
In Liebe,
Jasmin
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