Wir schreiben das Jahr 1999. Angesichts der (vermeintlichen) Jahrtausendwende liegt Endzeitstimmung in der Luft. Und doch herrscht an einem bestimmten Ort im Herzen von Krems Aufbruchsstimmung. Der Jazzkeller öffnet in der Nacht vom 31.12.1999 auf den 01.01.2000 zum ersten Mal unter neuer Führung seine Pforten. Und noch heute gilt dieser Abend unter jenen, die dabei waren, als legendär.
Damals war in Krems einiges anders. Den Yello Keller gab es nicht mehr, das Avalon Exil gab es noch nicht. Die letzte Veranstaltung des alten Vereins im Jazzkeller war schon ein paar Jahre her. Das Zentralkino am Bahnhofsplatz wurde durch ein Bauwerk im Osten von Krems ersetzt, in welchem CineastInnen von Skybeamern verscheucht wurden und werden. Live Bands, die auch für Jugendliche relevant waren, gab es bestenfalls einmal im Jahr in der Österreichhalle oder im Stadtsaal. Dafür war die Beislszene damals wie heute recht lebendig. Das kulturelle Angebot für Jugendliche erschöpfte sich also im Schlürfen von überteuerten Drinks in überfüllten Lokalen bei gleichzeitiger Konservenberieselung.
Eine gute Handvoll SchülerInnen aus Krems und Umgebung wollte sich aber schon damals nicht mit Komasaufen begnügen. Es ergab sich, dass der Verein des 1. Kremser Jazzclubs einen Generationswechsel vollzog und somit ein paar Jugendliche plötzlich die Dinge veranstalten konnten, die sie selbst gerne sehen würden. Natürlich bedurfte es noch einiger schwerwiegender Renovierungsarbeiten, bevor man aufsperren konnte. Dabei zeichnete sich schon sehr früh (z.B. beim Bauen der Bühne) ab, wie verheerend es sein kann, wenn einige zukünftige MaturantInnen ihre beschränkten handwerklichen Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wenngleich wir alle viel dazugelernt haben.
Wie auch immer, aus den SchülerInnen von damals wurden im Laufe der Zeit StudentInnen, Präsenz- und Zivildiener, ArbeiterInnen und Angestellte, BeamtInnen und mittlerweile sogar eine Frau Doktor. Noch immer erledigen sie alle Arbeiten im und um den Keller in ihrer Freizeit und ehrenamtlich und bemühen sich darum, jeden Samstag geöffnet zu haben. Dabei war der Jazzkeller nie perfekt, jedoch wird stets danach gestrebt, sich laufend zu verbessern und zu erneuern.
Seit 9 Jahren bietet der 1. Kremser Jazzclub nun in dieser Form eine Bühne für unterrepräsentierte Genres und lokalen Nachwuchs. Wir sehen uns als Plattform für alles, was sonst nirgends Platz hat und dabei spielt es für uns keine Rolle, ob 10 oder 100 Gäste kommen. Tradition und Revolution stehen dabei nie im Widerspruch, sondern gehen eine einzigartige Symbiose ein. Immerhin boten die Wände des ältesten, noch existierenden Jazzclubs Mitteleuropas schon immer Raum für Jugendsubkultur im weitesten Sinne.
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