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Wenn es die Aufgabe von Musik ist, den Zuhörer auf eine Reise zu entführen, die einen fern vom Alltag führt, die einen die Sorgen und Nöte vergessen lässt und die einen auf wundersame Weise zu verzaubern wagt, dann ist Jean Poly am Ziel angekommen.
Jean Poly ist ein deutscher Klangbastler, über den quasi Nichts bekannt ist, weil der Künstler eben nicht bekannt sein möchte. So gibt es konsequenterweise auch keine Tour, keine Videos, keine Interviews. Ebenso spartanisch die Selbstauskunft, die Herr Poly streut. Da werden die Songs nicht als Musikstücke, sondern als Geschichten vorgestellt. Das faszinierende ist, dass das im Grunde die treffendste Bezeichnung für die Werke Jean Polys ist.
Hier werden keine Songs aufgefahren, die sich an klassische Schemata und Strukturen halten. Vielmehr erscheint hier Musik als Poesie, die Bilder malt und Worte nicht nutzt, um Geschichten zu erzählen sondern vielmehr um Bilder zu erschaffen. Gerade dadurch, dass hier häufig lediglich einzelne Satzzeilen ständig wiederholt werden erweckt die Musik teilweise den Eindruck eine Fotos, dass auf wundersame Weise Räumlichkeit entwickelt und zu leben beginnt.
Musikalisch ist das Debutalbum England irgendwie nicht in eine Sparte einzuordnen. Am ehesten trifft es der sehr vage Oberbegriff Elektronika ganz gut. Die Songs bewegen sich durchweg in sehr moderaten Tempi und verbreiten so eine stoische Ruhe, die einem Entspannung und Gelassenheit förmlich mit Gewalt aufzwingt. Betextet sind die Stücke mit deutschen Texten, die gerne auch mal über einzelne Sätze bzw. Satzfragmente nicht hinaus kommen.
All das, was hier geschrieben steht, vermittelt ganz kläglich kaum einen Eindruck von dem, was Jean Poly da im stillen Kämmerlein an Musik produziert hat. Das sind minimalistische Meisterwerke von atemberaubender Schönheit und unglaublicher atmosphärischer Dichte. Fest steht, dass England eher Kunst als Pop ist. Dennoch ist die Musik erstaunlicherweise nicht einmal sehr kopflastig ausgefallen sondern präsentiert sich vielmehr durch und durch als Gefühlssache.
England ist ein liebenswert verschrobenes aber uneingeschränkt hörenswertes Album, das mit Sicherheit eine Bereicherung für die deutsche Kulturszene und jede Plattensammlung darstellt . ..................................................................................................................................
Written by Benjamin POPKILLER
Friday, 20 March 2009
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