CAPTAIN BERLIN VERSUS HITLER - THE MOVIE based on the "hitlarious" stageplay by Jörg Buttgereit
NOW on DVD from Media Target!
Music
HÖRSPIELE von Jörg Buttgereit:
Radio dramas written and directed by Jörg Buttgereit:
SEXY SUSHI ( 45 Min., WDR, 2001)
FRANKENSTEIN IN HIROSHIMA ( 50 Min.WDR, 2002)
ED GEIN SUPERSTAR ( 55 Min, WDR 2002)
BRUCE LEE, DER KLEINE DRACHE (55 Min. WDR 2003)
INTERVIEW MIT EINEM MONSTER (50 Min. Deutschlandradio 2004)
HORROR ENTERTAINMENT (50 Min. WDR 2004)
VIDEO NASTY (50 Min. WDR 2005)
CAPTAIN BERLIN VERSUS DRACULA (55 Min. WDR 2006)
WALK OF FAME (WDR 2007, als Sprecher)
SEXPLOSION IN SHINJUKU (53 Min., WDR 2007)
SEXMONSTER (51 Min., WDR 2009)
Kritiken zu Buttgereits Hörspielen im Blog
Movies
HOT LOVE (40 Min., 1985)
Feature films directed by Jörg Buttgereit
NEKROMANTIK (1987, 75 Min.)
Rob arbeitet bei "Joe's Säuberungsaktion", spezialisiert auf Leichenbeseitigungen aller Art. Mit seiner Freundin Betty teilt er nicht nur die Wohnung, sondern auch die Vorliebe für Tote. Welche Bereicherung, als Rob eines Tages einen zwar ermordeten, aber ziemlich vollständigen Leichnam mitbringt. Die sexuelle Erfüllung zu dritt ist heftig, aber nicht von Dauer. Aus seinem Job gefeuert, wird Rob von Betty verlassen, die zudem noch den toten Liebhaber mitnimmt. Trotz aller Exzesse steht bei NEKROMANTIK immer der Protagonist im Vordergrund. Der Film nimmt seinen Helden ernst, zeigt ihn seiner Rolle als Opfer, dessen Leidensweg er verfolgt bis zum befreienden Ende der orgiastischen Art, die die klaustrophobische Enge der Welt von Rob und seiner Obsession aufbricht. Ein großer, originärer Film, der gleichzeitig erschreckt und berührt. Frank Arnold
DER TODESKING (75 Min., 1989)
Der Todesking (aka The Death King) is a 1989 German horror film directed by Jörg Buttgereit. This experimental style movie which does not use central characters explores the topic of suicide and violent death in the form of seven episodes, each one attributed to one day of the week. These episodes are enframed by the vision of a human body, slowly rotting during the course of the movie.
Siebenmal letzte Stunden, letzte Minuten vor dem endgültigen Aus. Schuld ist der Todesking. Nach dem Komplex Nekrophilie wählte das Team Buttgereit / Rodenkirchen / Jelinski den Selbstmord als Sujet. Sie haben es tatsächlich gewagt, gewisse, im genialen Vorgänger "Nekromantik" aufgetauchte Ansätze von Seriosität weiterzuführen und sich noch mehr dem wirklichen Leben anzunähern. "Der Todesking" zeigt authentische Momentaufnahmen der Entfremdung, des Leidens des Sterbens, untermalt von traumhaft schöner Musik. Buttgereit handelt seinen diffizilen Stoff nicht in einer gradlinigen Story ab, sondern in sieben Episoden, die stilistisch gänzlich unterschiedlich wie Eintragungen in ein filmisches Notizbuch wirken. Buttgereits Selbstmörder sind nicht "arm" - sie wissen, was sie tun, begehen den Freitod als bewußten Akt.
Damit man keinen Augenblick den Zerfall des Stofflichen vergißt, ist eine immer mehr verwesende Leiche als roter Faden zwischen die Geschichten gesetzt. Man wird unweigerlich an Peter Greenaway erinnert. Aber im Gegensatz zum ach-so-intelektuellen Greenaway flackert hier echte, aufrührerische Poesie auf.
Christian Fuchs
NEKROMANTIK 2 – DIE RÜCKKEHR DER LIEBENDEN TOTEN
NEKROMANTIK 2 - THE RETURN OF THE LOVING DEAD (103 Min., 1991)
R.I.P – Rest in Peace: Das gilt für den Suizidanten Robert aus Nekromantik 1 nicht. Denn die letzte Einstellung des Films hatte bereits verraten, dass sich jemand an seinem frischen Grab zu schaffen macht. Es ist die nekrophile Krankenschwester Monika. Sie nimmt den verwesenden Leichnam mit sich nach Haus um sich sexuell an ihm zu befriedigen. Als dies nach einiger Zeit nicht mehr möglich ist, trennt sie sich von ihm. Dann lernt sie den Pornofilm-Synchronsprecher Mark kennen. Beide verlieben sich ineinander und obwohl Mark die Vorlieben Monikas und ihre sexuellen Praktiken (er soll sich beim Beischlaf nicht bewegen) eigenartig findet, glaubt er doch an die große Liebe.
Jörg Buttgereits Nekromantik 2 hat einen für einen deutschen Film bis dato nicht gekannten Leidensweg hinter sich gebracht. 1991 bei einer Vorführung in einem Münchner Kino polizeilich als „Gewalt verherrlichend“ beschlagnahmt, wäre der Film beinahe zerstört und sein Regisseur und seine Produzenten bestraft worden. 1993 wird der Film und jedoch „freigesprochen“, nachdem der Marburger Filmwissenschaftler Knut Hickethier ein minutiöses Gutachten für den Film verfasst hat. Seither gilt Nekromantik 2 offiziell als Kunst. Stefan Höltgen
CORPSE FUCKING ART (60 Min., 1992, Dokumentation / documentary)
SCHRAMM (75 Min., 1993)
Schramm wohnt in einem Berliner Altbau, fährt Taxi und sucht die Liebe seiner Nachbarin, die als Prostituierte sadomasochistische Phantasien erfüllt. Daß er auf einem Gummipuppentorso herumreitet, wenn sie ihrer Kundschaft lauthals einen Höhepunkt vorspielt, gehört in die Grauzone des Privaten, aus der Schramm nicht einmal durch seine Morde ausbrechen kann. Wunsch und Wirklichkeit verschmelzen in der Wahnvorstellung, die Welt würde um ihn kreisen wie vor einer Kamera, während er Zeit allmählich nur noch in Splittern erlebt. Der Film legt diese Art von innerer Verschlossenheit offen. Während Schramm immer weniger Abstand zu seinen Taten findet, tastet die Kamera medizinisch seinen Körper ab, dringt penibel in jede Falte an Stirn und Bauch oder zeigt sein schlaff baumelndes Geschlecht. Der Täter wird Opfer der Aufzeichnungsmaschine, während ihm selbst alles Körperliche fremd bleibt. Harald Fricke
Television
DURCH DIE NACHT MIT... /
INTO THE NIGHT WITH...
is an award winning, 60-minute series produced for ZDF/ARTE since 2002. The series matches artists from different fields to spend an evening together in a city of their choice. Jörg Buttgereit is the star of one episode and he also directed 2 episodes.
DURCH DIE NACHT MIT BRUCE LaBRUCE UND JÖRG BUTTGEREIT (ZDF/ARTE 2006, Regie: Hasko Baumann)
DURCH DIE NACHT MIT MARK BENECKE UND MICHAELA SCHAFFRATH (ZDF/ARTE 2007)
DURCH DIE NACHT MIT ASIA ARGENTO UND JOE COLEMAN (ZDF /ARTE 2007, 1st air date December 4th 2007 )
"Into the Night with Asia Argento and JoeColeman" directed 2007 by Jörg Buttgereit
Tageszeitung 24.10.2007
Horrorfreunde zu Besuch auf Coney Island
Zum Abschluss der großen Joe-Coleman-Retrospektive in den Kunst-Werken wurde Jörg Buttgereits Doku "Durch die Nacht mit Asia Argento und Joe Coleman" gezeigt. Besser hätte man die Schau nicht beschließen können
"Wie eine eigene Kirche" habe sich die große Joe-Coleman-Retrospektive in den Kunst-Werken, die am vergangenen Sonntag nach fast viermonatiger Laufzeit zu Ende ging, angefühlt, erklärte der Meister höchstselbst am Montagabend. Es galt Abschied zu nehmen vom Werk des zwirbelbärtigen Coleman, seinen wilden Bildern und seiner gruseligen Sammlung. Während des Sommers entstand im Auftrag von ZDF und Arte eine knapp einstündige Fernsehproduktion für die Reihe "Durch die Nacht mit ..." unter der Regie des Berliner Filmemachers Jörg Buttgereit, die anlässlich der Finissage ihre Erstaufführung im Erdgeschoss der Kunst-Werke erfuhr.
Buttgereit zeigt, wie sich im Verlauf eines lauen New Yorker Sommerabends Coleman und die italienische Schauspielerin und Regisseurin Asia Argento durch die Stadt treiben lassen.
Und es zeigt sich, dass nichts besser zum großen Berlin-bye-bye passte als gerade diese Vorführung einer Reise durch die Nacht. Was in Berlin ausgestellt war, etwa ein an Coleman adressierter, handschriftlicher Brief des Sektenführers Charles Manson oder das Präparat eines zweiköpfigen Kalbes, gehört zum Inventar von Colemans Brooklyner "Odditorium". Dieses liebevoll arrangierte Gruselkabinett ist voll gestopft mit Föten, Reliquien, obskuren Exponaten aus der amerikanischen Kriminalgeschichte und den Schattenbereichen der Populärkultur.
Mit einer Führung Argentos durch diese Wunderkammer beginnt Buttgereits Film, interessiert lässt sich die Tochter des italienischen Horror-Regisseurs Dario Argento vom Hausherren ausgewählte Stücke wie das Modell eines Mehrfachgalgens erklären, bevor die beiden sich in einer Limousine nach Coney Island fahren lassen, wo der berühmte heruntergekommene Vergnügungspark der New Yorker beheimatet ist, der nach dem Willen eines Investors in den kommenden Jahren sein Gesicht radikal verändern wird.
Er wolle ihr Dinge zeigen, die es in ein paar Jahren nicht mehr geben werde, verspricht Coleman seiner charmant-aufgekratzten Begleiterin, bevor sich das Gespräch um Todesangst, Sünden im Diesseits und die Existenz im Jenseits weiterdreht. Dann bekommen Coleman und Argento eine Spezialvorstellung in einer sympathisch-altmodisch anmutenden Freakshow, wo eine Tänzerin mit einer Albino-Riesenschlange schmust und ein schmerzerprobter Schnurrbartträger mit Zimmermannsnägeln und einer Bohrmaschine seine Nasenlöcher malträtiert. Anschließend muss Argento eine Fahrt mit der traditionsreichen Cyclone-Achterbahn durchstehen, bevor man sich mit einem Besuch bei Nathans Hot-Dog-Grill für so viel Todesmut belohnt.
Weitere Stationen des Abends sind eine Privataudienz bei David Blaine, dem New Yorker Starmagier, und der nächtliche Blick auf die Skyline von Manhattan, die Coleman zu sentimentalen Liebeserklärungen an seine Heimatstadt animiert.
Irgendwo dazwischen hält Buttgereits Kamera am Times Square inne, um kurz auf einer Figur im Spiderman-Outfit zu verweilen und wenige Schnitte später fast träumerisch Argentos Gesicht zu streifen. Jeder soll seine Kathedralen bauen dürfen: So wie es Coleman möglich war, sein Werk in einer Institution wie den Kunst-Werken auszustellen, so muss Buttgereit endlich mal einen großen Spielfilm drehen.
KITO NEDO
Books
Books on or written by Jörg Buttgereit
SEX MURDER ART – THE FILMS OF JÖRG BUTTGEREIT (von David Kerekes, UK 1998, 180 pages, headpress)
cover:
MONSTER AUS JAPAN GREIFEN AN – GODZILLA, GAMERA & CO (1998, 180 pages, belleville)
Cover:
NIGHTMARES IN PLASTIC (von Buttgereit/Ecke/Engel) ( 2001, 160 pages, belleville)
Cover:
JAPAN – DIE MONSTERINSEL (2006, Martin Schmitz verlag, 256 pages)
Cover:
NEKROMANTIK ( 2007, Martin Schmitz Verlag, 232 pages)
Cover:
Jörg Buttgereit's two movies Nekromantik and Nekromantik 2 will continue to engage and challenge us for a long time to come. Love, death, and sex are humanity's most prevalent topics. Buttgereit intertwines these topics so firmly that his movies, shot entirely on narrow gauge film, were at first categorized as splatter films and subsequently confiscated and banned nationwide. Today they are considered outstanding pieces of art. In this book six film enthusiasts explain how this controversy played out. Interpretations range from the beginnings of the history of film to today's society with its taboos, possibilities, and mistakes. Buttgereit's movies radically reflect—both humorously and intelligently—what it means to work with the moving image as well as its significance beyond the genre of film.
This book has a cover on each side. You can read it by turning around in English or German
www.martin-schmitz-verlag.de
Nekromantik was one of the last true underground films. A pre-internet flick that made its way around the world via shoddy bootleg videos or through folks like film writer and exhibitionist Jack Stevenson who toured a print in the 1980s. Making one’s way down to the backroom screening room at the Rendezvous on Seattle’s old Film Row was just the way to experience an out-there grainfest like Nekromantik. A small smoky room, curved worn seating next to strangers, and really, something you just had to find, had to discover.
In Martin Schmidt Verlag’s Nekromantik, six German film writers exhume their discoveries as the film unspooled before their virgin eyes. Localizing the responses to Germany creates a more site-specific view of the film, concretizing its nascence to that country with a troubled past and still the producer of the most non-sexual porn available.
Johannes Schoenherr’s sidesplitting piece, “Reality Check—The Gravedigger’s Perspective,” is the most correct American-idiomatic and the most humorous. Completely tossing the film’s plot and characters aside like a shovelful of moist dirt, Schoenherr further scandalizes the actions of the film’s characters with his moribund account of how bodies are planted and exhumed. Marcus Stiglegger, Linnie Blake, and Claus Loser take on more scholarly reportage, while Dietrich Kulbrodt’s essay “Loving Corpses” revels a bit more in the film’s, and Germany’s, excesses, practically rolling around in glee as if the topics were physical piles of gooey warm muck that one could subsume oneself in.
Buttgereit contributes the introduction to the book, which is in both German and English in flip-over style, and includes an amazing collection of unseen stills. It’s rare enough to see an erect penis in any film history book, but to see one with a grimacing blood-coated face erupting in ecstasy, pain and release… that’s why they call them money shots!
Beautifully presented, lavishly illustrated, and thick with informative film history, knowledgeable comparative mirroring, and pitch-black dark humor, Martin Schmitz Verlag’s Nekromantik is a must-belong alongside your Barrel Entertainment releases of the classic films. A priceless addition to any serious horror film fan’s library, and for the closeted corpse lover in us all.
Shade Rupe/ Rue Morgue/ April 2008
KEIN QUICKIE MIT LEICHEN
Vor 20 Jahren erschien »Nekromantik«. Ein Buch würdigt nun noch einmal Jörg Buttgereits radikalen Film über den safen, aber dennoch verunsichernden Sex mit einem Toten.
von markus ströhlein
Hin und wieder treffe ich Jörg Buttgereit bei Pressevorführungen aktueller Horrorfilme. Wir sitzen dann meist im Filmpalast nebeneinander in der vierten oder fünften Reihe, nehmen immer die gleiche Parade von Blut und anderen Körperflüssigkeiten ab, raunen uns hin und wieder Kommentare zu. Das alles bedeutet nichts mehr. Alle Schlachten sind bereits geschlagen«, schreibt der Filmwissenschaftler Claus Löser. Die Sätze klingen resignativ. Wer den Film »Nekromantik« kennt und ihn mit erfolgreichen Produktionen der vergangenen Jahre wie »Saw« oder eben »Hostel« vergleicht, wird Lösers Aussage zustimmen. Er trifft sie in dem ebenfalls als »Nekromantik« betitelten Buch, das zum 20.Jubiläum der Veröffentlichung von Jörg Buttgereits Film erscheint.
In der Tat: In »Saw« erteilt ein krebskranker Psychopath seinen Opfern blutige Lektionen. In »Hostel« lebt der gelangweilte Jet Set seine sadistischen Gelüste an jungen Rucksacktouristen aus. Auf der einen Seite stehen die Guten. Auf der anderen Seite befinden sich die Bösen, sie sind entweder unendlich krank oder unendlich reich. Mit uns, den Zuschauern, haben sie jedenfalls nichts zu tun.
Robert Schmadtke, die von Daktari Lorenz gespielte Hauptfigur in »Nekromantik«, ist dagegen ein schmächtiger, unauffälliger, junger Mann. Er lebt mit seiner Freundin in einer kleinen Wohnung in Berlin. Er geht einer täglichen Arbeit nach. Er ginge als völlig »normal« durch, teilte er sich nicht mit seiner Freundin die Neigung zur Nekrophilie, die dazu führt, dass Schmadtke im Verlauf der Handlung zum Mörder und Selbstmörder wird.
Doch selbst dieser zugegebenermaßen recht ausgefallene Fetischismus wird nicht als das absolute Gegenprinzip zu gängigeren menschlichen Verhaltensweisen inszeniert. Die Ménage à trois, die Robert Schmadtke, seine Freundin und eine halbverweste Leiche für kurze Zeit eingehen, hat Jörg Buttgereit in ästhetisierten, zärtlichen Bildern festgehalten. Sie zeigen keine perversen Monster, sondern Menschen, die unter enttäuschter, unerfüllter Liebe leiden. Und dieses Leiden hat der Leichenfetischist mit dem Sockenfetischisten und vielen anderen Personen gemein.
Und überhaupt, wer ist hier »normal« oder »unnormal«? Schmadtkes Kollegen bei der Firma für Reinigungsarbeiten an Unfallorten betrachten die Toten lediglich als Fleischmüll. Die Hauptfigur hat sich in ihrer extremen Neigung eine Sensibilität für die Körper bewahrt, die einmal von Leben erfüllt waren. In »Nekromantik« ist vor allem der Zuschauer gefragt: Er kann sich vor Schmadtke ekeln. Er kann Mitgefühl für die Figur empfinden. Höchstwahrscheinlich wird er sich aber nicht vollständig auf die eine oder auf die andere Seite schlagen können.
So bleibt der Betrachter irritiert und hin- und hergerissen zurück. Der Schauspieler, Filmkritiker und ehemalige Staatsanwalt Dietrich Kuhlbrodt macht in seinem Beitrag für das Buch zum Jubiläum eine »verwirrende Ambivalenz« als qualitatives Merkmal von »Nekromantik« aus. Diese Stärke beschränkt sich nicht auf die Psychologie der Charaktere. So schreibt Kuhlbrodt: »Auf der Kippe zwischen künstlerischem Anspruch und geiler Exploitation. Sensationell war es, sich an einer Leiche zu befriedigen. Ein Kunstwerk war es, die Verwirrung, die Isolation und die Befreiungsversuche verwirrter junger Leute in Bilder zu fassen.«
Freilich verprellte die Ambivalenz viele Zuschauer, unter anderem auch einen nicht geringen Teil der Splatter-Fans. Als der Journalist Christian Keßler »Nekromantik« zum ersten Mal sah, war er 20 Jahre alt und Mitglied in einem Fanclub für Horrorfilme. Das Erlebnis beschreibt er im Buch so: »Mit großen Erwartungen guckten wir uns das Werk also an und waren einigermaßen verdutzt, denn es handelte sich gar nicht um einen Horrorfilm. Wir waren irritiert, genasführt und in den Magen gepufft!«
Keßler fühlte sich nicht ohne Grund so. Buttgereits Film ist eine Enttäuschung im positiven Sinn. Er enthält die Stilmittel von Splatter- und Gorefilmen, lockt mit dem billigen Charme der Exploitation. Doch er enttäuscht die Erwartungen nicht nur, er verhöhnt sie noch dazu. In einer Szene begibt sich Schmadtke in ein Kino. Dort läuft das Klischee eines Slasherfilms: Ein mit einem Messer bewaffneter Mörder jagt eine kreischende Blondine durch ein Haus und bringt sie schließlich um. Der Film im Film dürfte den Erwartungen der Splatterfreunde eher entsprochen haben, war aber nur der ironische Abgesang auf ein künstlerisch größtenteils stagnierendes Genre.
Löser, Keßler und Kuhlbrodt haben aber keineswegs dröge Filmanalysen verfasst. Vielmehr gewähren sie in überaus subjektiven, biografisch gefärbten Texten auch einen Blick auf die Zeit, in der »Nekromantik« entstand. 1987 war es um die Kreativität der Kreuzberger Alternativszene im Umkreis des SO36 nicht mehr allzu gut bestellt. Und so liefert Buttgereits Film auch eine zynische Metapher der Berliner Punkszene, die zu der Zeit längst auch nur noch um eine Leiche tanzte.
Johannes Schönherr eröffnet darüber hinaus eine Perspektive auf »Nekromantik«, die vielleicht am verblüffendsten ist. Er war zu Beginn der achtziger Jahre als Leichenbestatter auf dem Friedhof Connewitz in Leipzig tätig, ehe er 1983 in die BRD ausreiste. Mit dieser beruflichen Erfahrung unterzieht der Autor den Film einem »Reality Check«. Wie leicht lässt sich eine Leiche überhaupt entwenden? Wie schnell verwest sie unter welchen Bedingungen? Diese Fragen stellt Schönherr und kommt »Nekromantik« betreffend zu erstaunlichen und amüsanten Antworten.
Nicht ganz so unterhaltsam ist hingegen der Beitrag der Filmwissenschaftlerin Linnie Blake, die den biografischen Angaben im Buch zufolge in ihrer akademischen Arbeit bisher »die Artikulierung nationalspezifischer Traumata vom Holocaust bis Hiroshima, von Vietnam bis zum Thatcherismus im Horrorkino untersucht« hat. Nun liegt der Bezug in »Nekromantik« zur bundesdeutschen Vergangenheitsbewältigung tatsächlich auf der Hand. Robert Schmadtke arbeitet bei einem Unternehmen mit dem Namen »Joe's Säuberungs-Aktionen«, kurz JSA. Das Logo der Firma ziert ein Totenkopf, der an das Emblem der SS erinnert. Die Arbeiter von JSA entsorgen Leichen mit kaltem Kalkül. Die Hauptfigur liebt Tote, stiehlt eine Leiche, entreißt sie also der Vergessenheit, wird über all dem irre und entleibt sich letztlich in Fontänen von Sperma und Blut.
Buttgereits Szenario dem Neuen Deutschen Film zuzuschlagen, wie Blake es tut, ist sicher fraglich. Dem widerspricht bereits Kuhlbrodt: Denn die Anfänge der Punkbewegung, aus der auch Buttgereit kommt, hatten »mit dem Nationalen (»Deutscher Film«) nichts am Hut«. Blake erklärt Buttgereit zudem zu einem Geistesverwandten des Regisseurs Hans-Jürgen Syberberg. Das geht endgültig zu weit. Denn Syberberg verklärt den Nationalsozialismus unter anderem in seinem siebenstündigen Machwerk »Hitler -- Ein Film aus Deutschland« zur Nestbeschmutzung, die den »nationalen Geist« missbraucht habe. Die Irrationalität der »deutschen Volksseele« gilt es nach Syberbergs Ansicht zu rehabilitieren. »Nekromantik« eine ähnliche Intention zu unterstellen, macht einen beinahe sprachlos.
Kontrovers lässt sich also auf jeden Fall auch 20 Jahre nach der Uraufführung noch über den Film und seine Rezeption sprechen. Jörg Buttgereit müssen die Ansichten der Autorin und der Autoren aber akzeptabel erscheinen. Schließlich ist er selbst der Herausgeber des Buches. Es erscheint mit zahlreichen Bildern ausgestattet auf Deutsch und auf Englisch. Und letztlich wird sich Buttgereit wohl auch geschmeichelt fühlen, findet sich doch an einer Stelle das durchaus zutreffende Urteil: »Nekromantik ist ein großer Film, kein Quickie.«
Jörg Buttgereit (Hrsg.): Nekromantik. Mit Beiträgen von Linnie Blake, Christian Keßler, Dietrich Kuhlbrodt, Claus Löser, Johannes Schönherr, Marcus Stiglegger. Martin Schmitz Verlag, Berlin 2007, 232 S., 17,80 Euro
Unter die Haut und ins Hirn
Früher beschlagnahmt und verboten, heute Thema eines Sammelbands: Die Nekromantik-Fime von Jörg Buttgereit
Kaum ein Film geht immer noch so unter die Haut wie "Nekromantik" von Jörg Buttgereit, der 1987 - also exakt vor 20 Jahren - in die Kinos kam. Zu diesem Jubiläum und über "Nekromantik 2" von 1991 ist nun eine Anthropologie in deutscher und englischer Sprache erschienen, die das wahre Ausmaß dieser Filme belegt; denn sie gehen auch in jedes Hirn.
Die beiden Filme von Jörg Buttgereit gehören zu den umstrittesten Werken des zeitgenössischen Kinos. Wurden die auf Schmalfilm gedrehten Kinofilme zunächst als Splatterstreifen landesweit beschlagnahmt und staatsanwaltlich verboten, zählen sie heute zu den bedeutenden Werken der Filmkunst.
Versteht man zunächst einmal, dass Regisseure wie Jörg Buttgereit Leichen und abgehackte Beine gebastelt haben wie andere ihre Modelleisenbahnen, dann ist der Blick - es ist ja nur Film - frei ...
Genau diesen Schritt haben alle sechs Beiträge in diesem Buch getan. Ihre Interpretationen reichen von den Anfängen der Filmgeschichte bis in unsere heutige Gesellschaft mit ihren Tabus, Möglichkeiten und Fehlern.
Die britische Fimwissenschaftlerin Dr. Linnie Blake von der Universität Manchester, die an einem Buch arbeitet, in dem sie die Artikulierung nationalspezifischer Traumata vom Holocaust bis Hiroshima, Vietnam bis zum Thatcherismus im Horrorkino untersucht, kommt hier zu dem Schluß, dass Jörg Buttgreit an den jungen kritischen Film der 60er Jahre anknüpft, der sogenannten Verdrängungs- und Aufarbeitungszeit nach dem 2. Weltkrieg, aber ebenso wieder den Bezug zum Filmschaffen der 20er Jahre herstellt und den Umgang der mörderischen Nazidiktatur mit dem Medium Film reflektiert.
Für dieses Buch scheint jetzt die Zeit reif zu sein und es ist so wichtig wie die Filme selbst.
Sybille Fuchs in: Junge Welt literatur vom 10.10.2007
About me: Jörg Buttgereit (born 1963 in Berlin) is the director and author of art-house-horror-movies, monster-documentarys, stage plays and radio dramas. He also works as a filmjournalist.
Jörg Buttgereit, geboren 1963 in Berlin, ist Regisseur und Autor diverser Arthouse-Horrorfilme ("Nekromantik", "Der Todesking"), arte-TV-Dokumentationen ("Monsterland", "Durch die Nacht mit...") und Theaterstücke ("Captain Berlin Versus Hitler", "Gabba Gabba Hey!"). Außerdem schreibt und inszeniert er Hörspiele für den WDR und arbeitet als Filmkritiker für diverse Publikationen.
Buttgereit at Grossmann Filmfest in Slovenia 2009
The GROSSMANN Filmfestival is happy to announce that Jörg Buttgereit attended this year’s festival, where he received the award for special achievements in fantastic/horror cinematography. more info here:
Jörg Buttgereit besucht die Monstermeister des Kinos
Monsterkino ist Mitmachkino, man steckt beim Horror immer stärker drin als in den anderen Genres. Und vielleicht muss man sich wirklich mal in einen dieser Latex-Godzilla-Anzüge zwängen und dann mit ungelenken, irgendwie aber auch graziösen Bewegungen durch die Räume wackeln, von Luftmangel und Schweißausbrüchen gepeinigt und von der Panik, auf die Leute draußen eher lächerlich zu wirken als schrecklich - vielleicht würde einem eine solche Prozedur nachdrücklicher klar machen, worum es eigentlich geht in all diesen grauenvollen, blutigen, zerstörerischen, menschenverachtenden Filmen, deren Macher und Liebhaber dennoch ganz normal und heiter und menschenfreundlich wirken.
Vielleicht genügt fürs Erste aber auch schon dieser Film Monsterland, in dem Jörg Buttgereit all die Großen des amerikanischen und japanischen Fantasy-Kinos besucht und zu Wort kommen lässt. Buttgereit ist selbst ein Macher, hat Filme gedreht - die legendären Nekromantik-Stücke - und Hörspiele gemacht - Ed Gein Superstar - und Bücher verfasst. Wie von selbst setzen sich in seinem Film die einzelnen Erinnerungen der Kollegen zu einem subtilen Bild des Horrors der letzten Jahrzehnte zusammen - damals hat man Special-Effects noch in Handarbeit gemacht, ohne Hilfe des allmächtigen Computers. John Carpenter erzählt vom Maskenmörder Michael Myers in Halloween, der Maskenmeister Rick Baker geht die Galerie der von ihm geschaffenen Monster durch, darunter der Siebziger-King-Kong. Der Schweizer H. R. Giger tätschelt sein Alien-Monster der Achtziger. Mit Joe Dante erinnert man sich an den Werwolf als der essentiellen Horrorfigur - das pubertäre Genre par excellence, man spürt, wie einem Haare am Körper wachsen und ungeahnte Gelüste . . .
In den Stadtbildern, die Buttgereit dazwischenschaltet, New York und Tokio, klingt die Gefährdung der menschlichen Zivilisation an, um die es im Genre geht - seit 9/11 ist der Horror noch eine Spur unberechenbarer geworden. Der Tod, das Nichts, man begegnet ihm mit einer Mischung aus Angst und Lust. Der Künstler Joe Coleman, der verschlungene apokalyptische Visionen schafft, weiß eine simple Erklärung: "Wenn man das Monster nur als Feind begreift, wird man immer sein Opfer sein. Erst wenn man erkennt, dass man selbst das Monster ist, kann man etwas über sich lernen." So sieht das auch Kim Newman, der große britische Horrorhistoriker. Für ihn ist der Joker im neuesten Batman-Film The Dark Knight die größte Schreckensfigur.
Er hat keine politischen und anderen Motive, er hat nicht mal psychische Probleme . . . Er macht einfach schreckliche Sachen.
FRITZ GÖTTLER
OUT NOW: NEKRONOLOGY New 180g vinyl album with music from NEKROMANTIK, DER TODESKING and NEKROMANTIK 2 as composed by Hermann Kopp. Limited edition of 500.
Achtung: Euer Butti als "Schauspieler":
Die ungekürzten Folgen von "Making of Süsse Stuten 7" nur hier: http://www.lavalight-entertainment.de
Who I'd like to meet: VICE Magazine Oktober 2009
joerg buttgereit (official!)'s Friend Space (Top 27)
Wenn ihr Lust habt, dann könnt ihr ja mal bei http://www.musikerVZ.cc vorbeischauen. Der Treffpunkt für Musiker bietet eigene Profile mit eigenen Songs, Kleinanzeigen und einen Eventkalender.
Carissimi lettori,
dopo l'incredibile successo della vera storia di Babbo Natale che vi
regalammo lo scorso anno, visto che si avvicinano le temibili feste
natalizie, abbiam deciso di allietarvele a modo nostro: vi proponiamo
una fiaba da raccontare ai parenti davanti al fuoco bello, caldo e scoppiettante di un camino, mentre ci si rimpinza di dolci, spumante, ricchi premi e cotillon!
Ecco a voi l'INCREDIBILE STORIA DELL' ULTIMO NEKROMANTICO.
L'incredibile nuovo articolo di Caina, cliccando sul link ...
ARTISTS AND WRITERS NEEDED: Now looking for artists & writers to be in SERIAL KILLER MAGAZINE! now at Borders, Barnes and Nobel, B Dalton & more! If you are interested in joining our team, contact us at MADHATTERDESIGN@GMAIL.COM.