Soziale Systeme, ein bisschen auch psychische Systeme
Was ich so denke -
Über Humanisten und das, was 'der Mensch' sein soll:
Humanisten sind „diejenigen, die [in der „Geschichte der humanistischen Emphase“] davon ausgingen, dass es in den Wissenschaften und Künsten der Antike, also in dieser Welt, Perfektion schon einmal gegeben hatte und dass es darum gehe, sie wiederzuerreichen. Als Gegenbegriff dazu konnte man an die Kleriker und Theologen denken, die diese Welt als ein Jammertal oder bestenfalls als eine Teststrecke des Menschen auf dem Wege zum Heil betrachteten. […] Was immer als Gegensatz zur Humanität auftritt, muß sanft oder unsanft zurechtkorrigiert werden. Das Antonym zu Humanität muß nun in der Gesellschaft gesucht und dort bekämpft werden.“ Mein Freund Peter Fuchs schreibt über 'den Menschen' (besser hätte ich es nicht formulieren können): 'Der Mensch' ist lediglich „der Name eines Mediums, das sich aus einer lose gekoppelten Menge von Elementen (Leuten) zusammensetzt, die zeitanfällig sind (sterben), aber unbegrenzt nachwachsen (geboren werden) und die für befristete Formeinschreibungen zur Verfügung stehen. Mit der Biotechnologie erweist sich das Medium als plastischer, als die Soziologie es je vermuten konnte.“ „Zum Glück kann man heute definitiv sagen, dass es den Menschen nicht gibt.“ Zu oft ist damit Schindluder getrieben worden, von Personen und Gesellschaften, die meinten, genau zu wissen, was ein Mensch ist - und was er NICHT IST!
Über das Missverständnis, der Mensch sei Teil der Gesellschaft:
Die Theorievarianten, die davon ausgehen, daß nur „Menschen handeln können“, begnügen sich mit „dieser Feststellung, wenn es darum geht, anders ausgerichtete Theorieansätze niederzubügeln. So als ob es keine Problematisierung von Zurechnungsprozessen gäbe und vor allem: ohne zu klären, was denn, genauer gesagt, handelt, wenn ein Mensch handelt.“ Menschen gehören vielmehr „mit Körper und Geist, mit Gehirn und Bewußtsein, mit all ihren Fähigkeiten zur Wahrnehmung, also zur Externalisierung interner Operationen […], zur Umwelt des Sozialsystems Gesellschaft. Keine für Menschen mögliche, Leben oder Bewußtsein reproduzierende Operation ist als solche eine soziale Operation.“ Nur die Kommunikation kann kommunizieren, nicht aber der Mensch!!
Über Wissenschaftler:
„Wissenschaftler sind auch nur Ratten, die andere Ratten im La-byrinth beobachten - aus irgendeiner gut gewählten Ecke heraus.“
Über Sexualität:
Sexualität ist „ein Erleben, in dem die Körper als Körper zählen und ihr Begehren als Begehren des Begehrens.“
Über Liebe:
Liebe wurde erst im 18. Jahrhundert erfunden. Liebe ist eine historisch kontingente, ganz normale Unwahrscheinlichkeit, „ein Kommunikationscode, nach dessen Regeln man Gefühle ausdrücken, bilden, simulieren, anderen unterstellen, leugnen und sich mit all dem auf die Kon-sequenzen einstellen kann, die es hat, wenn entsprechende Kommunikation realisiert wird.“
Über die Frankfurter Schule:
Sie betreibt eine "Idealisierung des Abwesenden". Das ist ein Begriff, der aus der amerikanischen Soldatenforschung stammt (die Soldaten idealisieren von zu Hause abwesend Heim, Frau, Kinder etc., obwohl die Realität lange nicht so rosig ist, wie sie es sich vorstellen); die normative Theorie der Frankfurter Schule idealisiert in genau der gleichen Weise die faktisch nicht präsente Rationalität, Vernünftigkeit, ideale Sprechsituation. Sie ist eine nette Utopie mit Besser-Wisser-Ansprüchen, mehr nicht. Sie behauptet immer: Ich sehe was (Probleme), die du nicht siehst, du musst nur richtig hingucken, dann siehst du sie auch!
Über meinen theoretischen Ansatz, den (operativen) Konstruktivismus:
„Dieser theoretische Ansatz führt uns vor die Frage, mit Hilfe welcher Begriffe und Unterscheidungen [...] in der gesellschaftlichen Kommunikation [z.B.] ökologische Gefährdungen behandelt werden. Der Ansatz schließt die allzu einfache Alltagsvorstellung aus, daß es Tatsachen gibt, auf die man reagieren muß [...]. Selbst Tatsachen haben Kommunikationswirkungen nur als Feststellung von Tatsachen, und die Feststellung einer Tatsache ist die Fest-stellung einer Differenz. Man muß daher fragen, in welchem Differenzschema Tatsachen erfaßt werden, welche Wunschzustände die Zustände ins Relief setzen und wie Erwartungen an das herangeführt werden, was in bezug auf sie dann als Realität erscheint.“ Der operative Konstruktivismus behauptet, „daß kognitive Systeme nicht in der Lage sind, zwischen Bedingungen der Existenz von Realobjekten und Bedingungen ihrer Erkenntnis zu unterscheiden, weil sie keinen erkenntnisunabhängigen Zugang zu solchen Realobjekten haben. [...] Man erkennt [als Beobachter (zweiter Ordnung)], wie deren ‚frames’ ihre Erkenntnis formen.“ „Es geht um eine genetische Theorie der Sinnkonstitution [...] Wir fragen nicht [wie die Ontologie], was etwas Identisches ist, sondern wie das erzeugt wird, was dem Beobachter als Identisches zugrundegelegt wird. [...] ‚konstruktivistisch’.“ Welche Folgen hat das Plazieren bestimmter Unterschei-dungen, wenn z.B. Behinderte als solche beobachtet werden? Hier befinde mich mit meinen Freunden Peter Fuchs oder auch Dirk Baecker sehr nahe an dem einzigen zeitgenössischen Ansatz, den ich für komplex und intelligent genug halte, dass er in den Wissenschaften was taugt: Die DEKONSTRUKTION JACQUES DERRIDAS!
Über Autopoiesis:
„Es bleibt nicht bei dem einmaligen Ereignis [wenn eine Kommunikation oder ein Gedanken an eine(n) anschließt]. Wenn also eine Operation eines bestimmten Typus anläuft und, wie ich gern sage, anschlußfähig ist, Nachfolge findet, Konsequenzen hat mit der selben Typik von Operation, entsteht ein System. Denn wenn man Operation an Operation anschließt, geschieht das selektiv, etwas anderes geschieht dann nicht, als eben dies, und es bleibt dann sozusagen der unmarked space oder die Umwelt draußen vor und das System bildet sich als eine Verkettung von Operationen.“
Über (die Funktion von) Kunst (in der Gesellschaft):
Kunst leistet die „Konfrontation der (jedermann geläufigen) Realität mit einer anderen Version derselben Realität. [...] Darin liegt ein Hinweis auf die Kontingenz der normalen Realitätssicht, [...] darauf, daß sie auch anders möglich ist. [...] Im Ergebnis erscheint die Funktion der Kunst in der Herstellung von Weltkontingenz zu liegen.“ Die Funktion von Kunst ist die der„Reaktivierung ausgeschalteter Possibilitäten“.
Über Werte:
Werte sind lediglich „eine hochmobile Gesichtspunktmenge. Sie gleichen nicht, wie einst die Ideen, den Fixsternen, sondern eher Ballons, deren Hüllen man aufbewahrt, um sie bei Gelegenheit aufzublasen, besonders bei Festlichkeiten.“
Music
eher klassisch
Movies
nur im Flugzeug
Television
Ich besitze keinen Fernseher
Books
George Spencer-Brown's 'Laws of Form':
Eigene Bücher (Auswahl):
Soziale Systeme (1984)
Die Wirtschaft der Gesellschaft (1988)
Die Wissenschaft der Gesellschaft (1990)
Das Recht der Gesellschaft (1993)
Die Kunst der Gesellschaft (1995)
Die Realität der Massenmedien (1996)
Die Gesellschaft der Gesellschaft (1997)
Die Politik der Gesellschaft (2000)
Die Religion der Gesellschaft (2000)
Das Erziehungssystem der Gesellschaft (2002)
Heroes
Nikolaus von Kues, George Spencer-Brown, Jacques Derrida, Edmund Husserl, Talcot Parsons, Peter Fuchs, Dirk Baecker, Rudolf Stichweh, Christina Weiss, Elena Esposito, Dominik Paß, Urs Stäheli, Helmut Willke, Louis H. Kauffman, Sina Farzin, Niklas Luhmann (Selbstreferenz im Sinne der différance-bedingten Versch(r)obenheit gegenüber (s)einem s-/Selbst), Georg Willhelm Friedrich Hegel
Niklas Luhmann's Details
Status:
Married
Orientation:
Not Sure
Hometown:
Bielefeld (Oerlinghausen)
Zodiac Sign:
Sagittarius
Children:
Proud parent
Education:
Post grad
Occupation:
Soziologe
Niklas Luhmann is in the unmarked space ... Posted at 8:34 PM Jul 16, 2008 view more
About me: “Herr Prof. Luhmann, welche Kritiker Ihrer Systemtheorie fürchten Sie am meisten?” - “Die Dummen.”
Sociologists have failed to produce even a partially adequate theory of
society. Epistemological obstacles and humanist concerns for rationality and
justice have prevented true progress in the discipline. With the
"radically antihumanist, radically antiregional, and radically constructivistic"
social system theory, it intends to bring about a sociological enlightenment. Die
GesellschaftderGesellschaft focuses on communication as the only genuinely
social phenomenon. Social systems differentiate and evolve as they communicate
in three separate dimensions: the social, temporal, and functional. The path of
evolution results from a history of variation, selection, and restabilization within these dimensions. Communication, bit
by bit, produces social structures that, recursively, produce future
structures. Society is communication. Sociology, as the science of society, is
communication about how different societal systems operate, communicate,
evolve, and maintain their boundaries.