Stefan Brinkmann, der NachtPoet, erblickte das Licht der Krankenhausbeleuchtung im Winter 1975. Mit 15 schrieb er sein erstes Gedicht in einer U-Bahn. Er glaubt an Magie, an Träume, an Geister und Engel, an das gute im Menschen und an sich selbst.
Spielmann
Ich bin ein Spielmann, flöte leise
meine Lieder vor mich hin.
Hört gut zu, in meinem Spiel
macht manches Rätsel wieder Sinn.
Geht nicht vorbei, lauscht meiner Flöte,
niemals gleich und doch nicht fremd
dem Einen, der sein Ohr mir schenkt.
All eure Nöte sind nicht mehr
als eure eigne Illusion,
gebaut aus Angst vor eurer Welt,
zerspringt sie nun durch meinen Ton.
Ich bin ein Spielmann, spiel eure Lieder,
ob traurig, fröhlich oder leer,
und frag euch, erkennt ihr sie wieder?
Nein, nun, das wundert mich doch sehr,
denn hab ich jede Melodie doch nur
von allen diesen Augen
abgespielt, ihr müsst mir glauben,
meine Lieder, das seid ihr.
Ode an das Klein sein
Bin nur ein Mensch, ein kleines Wesen.
Du kannst in meinen Zeilen lesen,
in meinem Klein Dich wiederfinden.
Du musst Dich nicht mit Größe schinden,
Dich blähend blasen und beweisen.
Es reicht, wenn man mit stillen, leisen
Tönen seine Lieder singt.
Wenn Deine Stimme ehrlich klingt,
wird sie gehört auf tausend Meilen.
Du musst nicht hetzen, Dich beeilen,
darfst auch mal in Dir selbst verweilen.
Dort, in dem Klein, ist nicht genug
Platz für der Welten Lug und Trug.
Leg alles ab, befreie Dich.
Lass andere sich lächerlich
in ihrem Wahn um Größe machen.
Am Ende haben wir gut Lachen
und sie nur ihre Illusion
vom Weltenthron.
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