09.07.2010 - UT Connewitz / Twin Festival / Leipzig
19.06.2010 - Fete de la Musique / Halle 30.05.2010 - Stadt-Spiel-Vision / Halle
29.05.2010 - Flash Frühlingsfestival / Eilenburg 17.04.2010 - Moritzbastei / Support für "The Vortex" / Leipzig 27.03.2010 - Shalom / mit "Sinfuroco" / Gera
13.03.2010 - Werk 2/Halle 5 - "Emergenza" / Leipzig
06.03.2010 - Ohrakel / "Instore Gig" / Leipzig
12.12.2009 - Four Rooms / Record Relase Party / Support: Morning Health Club / Leipzig
27.06.2009 - Festival '09 / mit "Bollo" & "...and tomorrow"/ Grethen
Ich finde, es wird Zeit, dass ich mal wieder eine hoffnungsvolle
Nachwuchsband aus deutschen Landen vorstelle – wie wäre es z.B. mitradin:ation,
einem Quartett aus Leipzig? Sänger & Gitarrist Andreas hat sogar
seine Wurzeln in Kiel, also passt das doppelt gut in meinen Blog. :-)
Musikalisch spielen radin:ation eine Mischung aus Indierock mit einigen
Post-Rock-Einflüssen und einem besonderen Augen- und Ohrenmerk auf
atmosphärische Dichte. Oder, um die Presseinfo zu zitieren: „Die
4 Leipziger Mannen fanden sich im Frühjahr 2008 zusammen, um die
Widersprüche zwischen dem Leisen und dem Lautem, zwischen der
Melancholie und der Schönheit mit einem Schuss Selbstironie zu
verbinden, und gründeten die Band radin:ation.“ Das Debütalbum "Blind Spot" präsentiert dem Hörer eine angenehme Bandbreite des Sounds und enthält mit "Lost"auch einen Indiehit, der mich etwas an Slut oder an die Frankfurter
Band Velveteen denken lässt. Zu ihren Referenzen zählen radin:ation –
duchaus passend – sonst auch noch Kashmir, deus und The Notwist. Hört
doch mal rein!
Zuerst ein Rythmusei. Dann ein Disko-Schlagzeug, bei dessen ersten
Beats mich die Angst packt, es könne ein „Thriller“-Zombie bevorstehen.
Aber nein. Radinations Erstling ist eher ein uneheliches Kind vom alten
(oder aktuellen?) Übervater Notwist denn ein Indie-Widergänger. Ruhige
Stücke, Keyboard-Elektro-Einsprengsel und dieser lethargische, aber
keineswegs unangenehme Gesang... Weil jedoch daneben auch Kashmir und
Deus als Eltern angegeben werden, wäre wohl ein DNATest fällig.
Trotzdem erinnert „Blind Spot“ mich vor allem an „The Devil, you and
me“ der Erstgenannten. Denn der Fokus der Leipziger liegt klar auf zwar
durchaus verschiedenen, aber immer nachdenklichen, süß-melancholischen
Stücken. Wenn jetzt ein Stammgast „Weichspüler!“ ruft, sei ihm
verziehen. Wenn er „Indie?“ murmelt, nun: Mehrere Jahre Indie-Disko im
inzwischen geräumten örtlichen AKW haben meine Definition jenes
merkwürdigen Genres geprägt. Ich verstehe darunter aufdringliche, laute
Bands, die zu prätentiös für Bayern 3 sind, und zu deren desaströsen
Geklänge Physikstudenten mit bunten Mützen berauschte
Sozialpädagoginnen antanzen können. Wirklich laut oder aufdringlich
sind Radination jedoch nicht. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass
Männchen mit ausgefallener Mütze diese Platte auflegen, um Weibchen zu
beeindrucken – aus diesem Grund dürfte es Alternativrock geben. Falls
dem so ist, dann aber wohl eher zum Liebesspiel („The Award For Your
Efforts“). Zudem bemühen sich die Vier innerhalb ihres Kurses um
Vielfalt. So weckt beispielsweise „Go on“ mit seinen
Keyboard-Streichern längst verschüttete Erinnerungen an Silverchairs
„Neon Ballroom“. Gerne würde ich näher auf diesen Vergleich eingehen,
aber jene CD starb seinerzeit den Neunziger-Jahre-man-war-ich-jung-Tod
an Kratzwunden, und so kann ich mich lediglich auf meine Erinnerung
berufen. Und die schreit nunmal „Silverchair“, wenn ich den Track höre.
Das gedämpfte „If“ gibt sich dagegen als Elektro unter Morphium. Manche
der Stücke gegen Ende, insbesondere das gitarrenbetontere „Shooting
Star“ erinnern mich an die holländischen Lawn. Warum auch Electric
Magic-Leser „Blind Spot“ in Erwähnung ziehen sollten? Nun, erstens kann
man bei manchen Damen einfach kein Doom oder Psychedelic auflegen. Also
seid ihr zweitens gezwungen, euch nach Alternativen umzusehen. Wenn ihr
drittens noch positive Jugend- Erinnerungen an Alternativ-Rock (daher
der Name?) mitbringt, bieten Radination viertens ein durchaus
anständiges, melodisches Debütalbum zwischen selbigem und Pop, welches
fünftens leichtverdaulich, aber eben auch nicht allzu seicht ist.
Erwerbbar ist das gute Stück übrigens über die Band direkt für zehn
Euro, was ich (Punkt Sechs!) für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
halte.
The Notwist ist so ungefähr der erste Gedanke, der mir beim Hören
dieser CD durch den Kopf schießt. Das aber eher wegen der Grundstimmung
und den atmosphärischen Hintergrundgeräuschen, eine 1:1-Kopie stellen
die 4 Mann aus Leipzig nun wirklich nicht da. Der Waschzettel nennt
außerdem noch Kashmir und deus als Vergleich - mag sein, kenn ich nicht,
nicht mein Metier. Musikalisch ist das Ganze eher ruhig gehalten,
entwickelt aber eine gewisse Eigendymanik, so dass ich das Resultat
jetzt nicht unbedingt als Fahrstuhlmusik abtun würde. Eher eine
sphärisch-atmosphärische Spielart des Indierock, die sich auch gerne mal
ein paar Melodien erlaubt, aber für meinen Geschmack ruhig öfter mal
etwas ausbrechen könnte. Die Stücke sind zwischen 3 und 9 Minuten lang,
was schon ungefähr zeigt, wie vertrackt die Band an ihren Sound
herangeht.
Abgesehen von meinen persönlichen musikalischen Präferenzen aber ein
rundes Ding. Die Lieder sind melancholisch-verspielt gehalten, werden
selbst nach mehrmaligem Hören nicht nervig und wirken in sich ziemlich
stimmig, selbst das Keyboard wirkt nicht irgendwie fehl am Platze wie
sonst bei ähnlich gearteten Bands. Freunde des Genres sollten auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren, ich
bleibe trotzdem lieber beim Punkrock...