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ROCK AUF DEM BERG's Blog

  • ROCK AUF DEM BERG VIII - 2005


    ROCK AUF DEM BERG VIII, Katzenstein Pobershau/ Erzgebirge
     
    15.-16.Juli 2005

    Geschrieben von Lars Ronny Dobritz für www.obliveon.de

    Obliveon - Metal und Gothic Webzine
     
    15. Juli, 17 Uhr Nachmittags, die Sonne knistert aufs vorabendgeschädigte Gebälk, die Frisur sitzt und Fotoass Blechmüller erscheint wie von Zauberhand mit seinem Ford Mondeo - das Abenteuer Erzgebirge kann beginnen! Noch fix einen frischen Kaffee hinter die Binde gegossen, die Erlebnisse der Vortage breitgetreten und an den Start. Zwischenbremsung in Lengefeld - Bierzuladung. "Novalis" erklingen aus dem Audiotongeber, die Herren Redakteure haben sehr, sehr gute Laune. Die gefühlte abendliche Aussentemperatur beträgt 19 Grad Celsius, der sonnige, leichtbewölkte Himmel untermalt die erzgebirgischen Landschaften in prachtvollster Art und Weise. Wir landen im wunderschönen Touristenörtchen Pobershau, das Festivalgelände befindet sich in idyllischster Lage auf dem "Gipfel" des Katzensteines, malerisch umzingelt vom Schwarzwassertal. Die Bullen blitzen direkt vorm Parkplatz, wir werden von lächelnden Ordnern eingewunken. Landung, Biercheneinschub aus dem Kasten. Wir organisieren unsere Tickets, Weinholds Pauline wirft extra ihren Drucker an, um selbige Kärtchen druckfrisch an die Herren Konsumenten zu verteilen.
    Das Wort "Presse" prangt vom gelben Umhängeschein, wir sind endlich wichtig und haben gigantischen Bewegungsfreiraum. Die dicken Jungs von der Security winken uns zu und beschenken uns mit freundlichem Berserkerlächeln. Wir sind glücklich und zünden unser erstes reguläres Festival-Bier. Die leckeren Fischbrötchen, handgebastelt vom freundlichen Essenonkel aus der Marienberger "Bauernstube", erweisen sich als kulinarische Ode an die Geschmacksnerven - wir beschliessen uns nur noch von diesen leckeren Teilen zu ernähren. Die Punk"n Roll- Kapelle LAUTLOS ist bereits fertig mit spielen, der Kommentar der drei bis vier Gäste lautet "war schon korrekt". Nun gut, wir haben also nicht wirklich etwas verpasst. TENSE OF TOMORROW scheppert über die Bühne, gut gespielter Rock, perfekter Soundtrack zum Biertrinken. Ein zigarrerauchender Althippie im lumpigen Ornat betätigt sich als Gigolo und tanzt sich direkt ins Nirvana, ein Ort, der rein landschaftlich betrachtet im Erzgebirge liegen muss. Luise und Wiebke winken hinterm Tresen hervor und freuen sich irgendwie uns zu sehen. Gäste trudeln ein, der Platz füllt sich, die Stimmung steigt - versiffte, bunthaarige Gesellen lassen meinen Jagdtrieb erwachen. Zwei Bier und diverse Fischbrötchen später entern "P.U.M.P." die Bühne (Blechmüller notiert im "Blackberry"- Kasten irgendwelche Niederschriften über mein Verhalten):
    Die Herrschaften ergehen sich wiederum in qualitativ hochwertiger Rockmusik und versprechen mit ihrem Auftritt ein hervorragendes Wochenende. "P.U.M.P." gefallen mir recht gut, mein Herz weitet sich zu einem saftigen Steak. Im Erzgebirge, speziell im Raum Annaberg/ Marienberg, existiert eine recht grosse Musikszene, von welcher wir an diesem Wochenende noch so einige Flötentöne auffangen werden. Der Hammer Nummero eins erscheint in Form von UNIVERSAL MIND auf dem Katzenstein. Die Dresdener Jungs feuern uns psychedelische Mucke um die Ohren und verbreiten Klänge, mit denen wir hier überhaupt nicht gerechnet haben. Frontmann Tom ist so ein Mittelding zwischen Jim Morrisson, Jesus Christus und Che Guevara - und irgendwie klingt diese Kapelle auch so. In etwa wie die Doors im Strassenkampf, actionreich, sauber gespielt und sehr überzeugend dargestellt. Das Publikum tobt und wir beschliessen diese Band im Auge zu behalten. Wir archivieren den Namen UNIVERSAL MIND im Observationsregister - ein Gedanke, der sich später noch als "sehr gut" erweisen wird. Der erzgebirgische Neofolker und "Heimatdichter" Sören Kirrbach grüsst freundlich zu uns herüber, aber das muss er auch, denn schliesslich haben wir ihm zwei "Heimatherz"- Runenhemden sowie zugehörige literarische Werke aus dem Kreuz geleiert. Irgendwie haben uns hier alle lieb, wir mutieren sogar zu den "Lieblingsreportern" der Veranstalter. So sind sie halt, die Erzgebirgler, offen, nett und freundlich - alles andere als ein zänkisches Bergvölkchen. Wir drehen ein kleines Ründchen über den Platz, äugen über die Merchandisingstände (freundliches Hervorwinken) und...- wir trinken Bier.
    Wir drehen ein kleines Ründchen über den Platz, äugen über die Merchandisingstände (freundliches Hervorwinken) und...- wir trinken Bier. Kurze Zeit später beginnen die Tschechenmetaller SHAARK ihr Massaker. Aggressivster Metal, böse bis aufs Blut - es entlädt sich ein armaggedonisches Sturmgewitter über das Publikum und lässt die alten Slayer wie Waisenknaben erscheinen. Die Herren Tschechen drehen völlig frei, das anwesende Volk schüttelt die Haare und reckt die geballten Fäuste in die Luft. Arschgeiler Terror, Blechmüller kniet im Dreck und verballert Fotos, die geneigten Obliveon-Leser sollen schliesslich auch ein wenig Kost fürs Auge geniessen können. Ich schwatze ein wenig mit UNIVERSAL MIND-Tom - iss ja ein ganz netter - wir essen Fischbrötchen, trinken Bier und werden von harmlosen Festivalgästen angewunken und vollgelächelt. Gegen 24 Uhr erscheinen die legendären SHATTER auf den Brettern die die Welt bedeuten. Die Sportfreunde werden mit frenetischem Jubel begrüsst, eine der härtesten Heimatbands aller Zeiten beginnt ihr terroristisches Treiben. Frontmann Schorsch tobt orkanartig über die Bühne, bösester Metalcore tost aus den Boxen und steigt in einer gigantischen Soundwolke über dem nächtlichen Gebirgskamm auf. Das Publikum wirbelt im Veitstanz über das Gelände, SHATTER tötet sämtliche Gedanken an friedliche Existenz und Zukunft. Hört sich an als hätten sich Sheer Terror und Crowbar miteinander fortgepflanzt. Wenn sie einmal losgelassen...... Gegen eins verziehen sich die Jungs vom Stagebereich, ein durchgehend grinsendes und winkendes Publikum hinterlassend. Ich beschliesse den Herren zu folgen und treffe auf die Herren Schorsch und PLANLOS.
    Wie bereits gewohnt werde ich freundlich begrüsst, man winkt sich lächelnd zu und beschliesst in Form einer Getränkeorgie miteinander zu debattieren. Blechmüller hat es sich bereits im Backstagebereich gemütlich gemacht, an einen Absperrzaun gelehnt fröhnt er dem Tiefschlaf. Der nette Ronny von BLOODSTAINED COFFIN wacht über sein Wohlergehen, da er diesen Abend als Hintertürchenwachposten fungiert. Ich gehe mit "SHATTER" auf Sauftour, der Tom stösst dazu, wir werden von Schorsch in neue alkoholische Welten entführt. Die Mischung aus Apfelsaft und Amaretto erweist sich als äusserst schmackhaft und hinterlässt grossen Eindruck - ganz besonders im Gehirn. Irgendwie sind wir total besoffen, hinter uns spielen COMPLEX COLE die Abgangsmelodeien. Blechmüller ist wieder erwacht und schüttet mit uns Alkoholika in seinen Körper. Danke Schorsch und PLANLOS - wir werden uns rächen ;-) Gegen vier Uhr morgens schleppen wir uns halb bewusstlos über den Parkplatz, fallen in den Ford und schlafen. Zehn Uhr, die Sonne röstet uns im Fahrzeug, wir erstehen auf. Ich schaue in den Rückspiegel und bemerke mein völlig verklingeltes Aussehen. Der Herr Blechmüller sieht auch nicht besser aus. Ich beschliesse ein Morgenbier zu konsumieren- es schmeckt schon wieder. Wir wandeln zum Zelt, wo sich fröhliches Volk zum Frühstück versammelt hat. Die Leichen vom Vorabend leben auch schon wieder und lächeln sich untereinander an. Luise winkt wie gewohnt süss hinterm Tresen hervor, Wiebke guckt ganz lieb. Wir schlürfen Kaffee und verschwinden ins wenige Kilometer entfernte Ansprung. Die Lehrersleute Pia und Jens bewirten uns mit Bier, wir schwelgen in kürzlich Erlebtem. Das gestrige Konzert war bis nach Ansprung hörbar, die Texte von SHATTER komplett deutbar. Besonders der oftgebrauchte Wortfetzen "Fuck" hat tiefe Einschnitte hinterlassen.
    Die Lehrernachzucht in Form von Flori und Felix verschleppen uns in den eigenen Proberaum und spielen uns ihren Sound vor. Wir stossen auf die Texte der elfjährigen Bengels und erblassen. Jung kaputt spart Altersheim!!! Aus den Jungs wird nochmal was. Nach der Einnahme von Kaffee und " Pumuckltorte" treten wir den erneuten Weg aufs Festgelände an. Beim Eintreffen schrammeln gerade die ANTI SEDATIVES auf der Bühne, eher belanglose Musik - jedoch absolut sauber und nachmittagstauglich. Mit ROOKIE JAM entdecken wir den einzigen schwarzen Fleck auf dem Spielplan. "Bikini Punk/ Ska" entziffere ich auf der Playlist. Mmmmhhhh, schlecht dargebotene Punkrockverrisse mit teilweise schrägen Bläsersätzen lassen jeglichen guten Geschmack vergessen. Liebe Leute, wir müssen schlechte Bands nicht unbedingt aus Franken importieren - wir haben doch in der Heimat genug davon. Tabeas süsser Knackarsch zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich, tausendmal interessanter als ROOKIE JAM. BYZE aus Limbach-Oberfrohna retten den Nachmittag. Sauberer Hardcore ala Slapshot/ Clockwork lässt das Tanzbein zucken. Die Technikmänner von "Sachsen- Sound" geben schon wieder ihr Bestes....und winken lächelnd. Hübsch anzuhören, guter Durchschnitt! Um 19 Uhr erscheinen die versoffenen Partyexperten GETRÄNKEALKOHOLIKER im luftleeren Raum und bieten ihre Weltsicht dar.
    Finster aussehende Rocker entpuppen sich als die ultimativen Feierkönige. Texte rund um alkoholische Getränke, Fortpflanzung, Weisswurst, Rückwärtsessen etc. Die Herrschaften klingen wie eine Mischung aus den guten alten "Dimple Minds" und "Feeling B". Besonders beeindruckten die Bühnenoutfits. Neben Weisswürsten und tschechischen Folkloristenanzügen zog man sich auch das majestätische Gewand des "AldiBierVampirs" über. Gute Feierband, unbedingt fürs nächste Event ordern. Wir pausieren auf dem Parkplatz, nette Mädels im Feindflug-Shirt erscheinen...und verschwinden auf dem Platz. Minuten später tauchen die zwei wieder auf und belobigen mich für das standhafte Tragen meines Death In June- Shirts. "Endlich mal normale Menschen" höre ich sie sagen. Während wir über musikalische Vorlieben schwatzen und Telefonnummern tauschen, ziehen 7IEBEN" ihre Show vom Pflaster. Deutschsprachiger Achtzigerrock, klingt stark... Wir verkrümeln uns auf den Parkplatz und geniessen warmes Bier aus dem Wagen. Mittlerweile taucht auch der lächelnde und gleichzeitig winkende Herr Kirrbach auf, mehrere Neofolkloristen im Pulk hinter sich nachziehend. Grosses gemeinsames Freuen, Folkiversammlung rund um den Ford Mondeo.
    Buntzackig frisierte Persönlichkeiten beäugen uns scheel, das Wort "Nazischweine" zischelt an uns vorbei. Wir bleiben locker. Vom direkt benachbarten Gelände beginnen BLOODSTAINED COFFIN ihren wilden Totentanz. Melodischer Deathmetal rauscht über den Parkplatz, astgeile Liveband, sauheftig und in bester Qualität. Die Jungs sollten ab und zu ein wenig mehr von sich hören lassen, die brauchen sich wirklich nicht verstecken. Grosses Lob! Die bösen "Nazischweine" ziehen geschlossen zurück vor die Bühne um dem Auftritt der Deutschpunkklassiker NO EXIT zu lauschen. Die Berliner Gesellen um Frontmann Rio zünden ihre Klassiker auf, wie gewohnt gut und allererster Garnitur. Das Volk pogt sich den Arsch aus dem Leib...- und freut sich. Alle winken uns zu, lächeln und sind lieb zueinander. fast paradiesische Zustände. Nach dem Punkklassiker zieht mich eine ganz besondere Band in den Bann. Aus dem fernen Holzminden zog es FADING STARLIGHT ins Gebirge. Der Bandname lässt keine Grösse erkennen, aber das dargebotene hat mich einfach absolut vom Hocker geworfen. Rasanter Speedmetal mit wunderschönem Frauengesang lässt mich erschauern. Ganz ganz starker Auftritt, ein Fall für Obliveon.de!!! Der Herr Blechmüller hat sich bereits wieder im Backstagebereich auf Ruheposition begeben, die massiven und freundlichen Sicherheitstrolle von "Donner & Schering" wachen sanft über seinen Schlaf:
    EPIDEMIC SCORN rumpeln mit giftigem Deathmetal gegen 1 Uhr durchs Gefilde, Getränkealkoholiker Micha steigt der schönen FADING STARLIGHT- Sängerin hinterher – erfolglos - nett lächelnd abgewickelt... Der Herr Oberfotograf erwacht aus seinen wohlbehüteten Träumen und pumpt sich Getränke ein- Knackarschtabea überreicht uns eine Bierkarte zum Absaufen...Uta ist wieder ganz tolle lieb zu den Lieblingsreportern. Des Morgens halb zwo geschieht ein Wunder... Die Annaberger Skafraktion THE ANOTHERS rocken den Katzenstein mit lupenreinem Ska. Ihr allererster Auftritt wird zum Siegeszug. Das Volk feiert frenetisch den Gig der 15 bis 20-jährigen Nervösmusikanten. Äusserst überwältigender Sound ala Mark Foggo und Bad Manners, mindestens genauso gut und absolut zu empfehlen. Wahnsinn!!!! Ich gratuliere den Jungs nach dem Auftritt, sie können den eben erlebten Erfolg noch gar nicht fassen und stehen totenblass und mit offenstehenden Gesichtern in einem Eckchen des Backstagezeltes. Wir saufen noch einen mit dem lustigen "P.U.M.P." Frontmann und auserlesenen Vertretern der GETRÄNKEALKOHOLIKER ab, wir haben Spass! Die Orgie wird ins Bierzelt verlegt, die geschlauchten Kippen schmecken hervorragend, irgendein aasiger Konzertbesucher bettelt mich um Schläge an. Herr Blechmüller textet fleissig mit dem Äffchen, der junge Suizidkandidat verzieht sich. Grosses nettes Gespräch mit zwei netten Mädels aus Lauterbach, Bea ist aus unerfindlichen Gründen verschollen... Der Herr Fotograf auch.... Ich finde ihn wenig später in Diskussionen mit zwei bunten "Antifaschisten" auf dem Parkplatz verstrickt. Die Morgensonne erscheint bereits am Firmament. Wir sind lustig, fesseln einen der "Antifas" mit Bondageseilen und ziehen ihn vorsichtig in Richtung Anhängerkupplung. Die angedrohte "Punkerrundfahrt" zeigt Wirkung und schafft Respekt. Die benachbarten onkelzhörenden Metaller freuen sich ganz dolle, winken zu uns herüber. "Au geil, Punkerschleppen, wir ham auch ne Kupplung, dürfen wir auch mal?" Wir winken lächeln zurück und machen Feierabend...
    Fazit: Das Pobershauer "Rock auf dem Berg"- Festival wird mehr und mehr zur absoluten Erfolgsgeschichte. Dereinst als Nachwuchsfestival gedacht zieht man mittlerweile über 2000 Leute aus sämtlichen Ecken Deutschlands an. Hervorragende Organisation, kommerzfreie Action und jede Menge Spass, Freude und viele nette Menschen. Betrachten wir das Spielangebot und die Preise. Das Wochenendticket für 12 Euro, gutes Bier für 1,50 Euro und preiswertes, qualitativ hervorragendes Essen für maximal 3 Euro lässt ultimative Fettlebe aufkommen. Das Speiseangebot könnte jedoch durchaus noch ein wenig erweitert werden. Wir sind begeistert und kommen im nächsten Jahr definitiv wieder in Pobershau vorbei! "Rock auf dem Berg" sei jedem ans Herz gelegt, ein absoluter Geheimtipp mit hochwertigem Programm. Ähnlich wie in China wird im Erzgebirge ganztägig gelächelt und gewunken, die Leute sind saustark und gastfreundlich- keine Randale, keine Keilerei - fast einträchtiger Frieden. Gratulation ins Erzgebirge und vielen Dank für die herrlichen Tage. Einmalig!!!!!! Gruss und Kuss nach Pobershau! Geil!- Glück auf!!!

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