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Jules Rubin's Blog

  • Eigentlich!

    Einen Satz mit eigentlich zu beginnen ist eigentlich nur große Scheiße. Denn darum geht es, nicht um das eigentlich, was wir jeden Tag leben, was die anderen sehen, während in uns eigentlich der Punk geht.
    Also geht es eigentlich immer nur darum, die Waschmaschine zum laufen zu bringen, die Klos zu putzen, sich die Haare zu kämmen und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Übrig blieben viele sterbende Ja-abers. Verreckt liegen sie zwischen Besen und Putzeimer unter dem Küchentisch voller Wohlstandskrümel.
    Innen geht Punk, aber wen interessiert das, wenn der Wäscheberg immer höher wird? Wozu die Welt retten, wenn man vorher schon weiß, dass es scheitern wird. Wozu ein ganzes Buch schreiben, wenn man aus all den kleinen Geschichten auch eine Short Story Auflage machen könnte. Das Leben besteht nämlich aus diesen verfickten Short Storys und nicht aus einem Roman, der mit einem Ja-aber beginnt und einem Wäscheberg endet.
    Abgesehen davon würde sich zum Eigentlich/Ja-aber noch ein Vielleicht dazu gesellen, welches sich seiner Sterblichkeit bewusst ist. Denn ein Vielleicht zu sein bedeutet so viel wie immer auf der letzten Bank zu sitzen. Vielleicht bedeutet gar nichts. Das Vielleicht weiß es, Du weißt es und ich weiß es. Alle wissen es.
    So kann man sich dann von Tag zu neu Tag neu überlegen, ob man beim Aufstehen an die Wäscheberge und die Spülmaschine denken will, oder ob man sich zusätzlich den anderen Zwängen des Alltags unterwirft. Man kann sich auf die Ja-abers fixieren, sich an ihnen festsaugen bis man glaubt, das die Symbiose Ich&Ja-aber einen perfekten Zustand erreicht hat und die Synapsen mit denen des Ja-abers verschmelzen. Als Ja-aber Symbiont geht auch irgendwann innen der Punk nicht mehr, da alles gleichgültig wird. Nicht die Wäsche oder die Zwänge, aber das Innenleben, die Liebe, die Freude, Wut und Schmerz. All das stirbt kläglich leise Tag für Tag unter dem Mantel des Ja-abers, des Vielleichts und dem Eigentlich…
    Was wird, wenn aus den ganzen Ja-abers ein ich sollte wird? Das ist weder ein Witz noch eine Satire, das ist der ultimative bittere Ernst. Was ist das ich sollte, wenn man morgens mit tausend Stimmen und Gedanken im Kopf wach wird, voller Widersprüche und Gefühle, die in der heutigen Zeit in ein imaginäres KZ verschleppt werden und man sie dort vergast?
    Was übrig bleibt ist eine innerliches Terror-Regime, wo man vorab entscheidet, welches Ich man zum Diktator ernennt, nur um einen Platz in der Gesellschaft zu finden, der konform mit den medialen Werten geht, konform mit der Scheiße, die über Generationen hinweg in irgendwelche Köpfe gehämmert wurde, weil irgendwann mal irgendwer meinte, dass es richtig wäre und dies auch noch gewinnbringend unter die Menschen gebracht hat.
    Wenn der Ich-Diktator jeden Tag mit aller Gewalt über die anderen Ichs hinwegdonnert, der Konformität halber und die Realität, die man sich gebaut hat, anfängt nach heuchlerischer Wahrheit zu riechen- dann sollte innen der Punk gehen. Alles stirbt, alles krankt und alles fängt an zu stinken nach der Fäulnis der Spaßmacher und Leistungsgesellschaft.
    Ab da gibt es kein Ja-aber mehr, was stirbt, das stirbt. Manchmal tut es nicht mal weh. Langsames dahinsiechen schmerzt weniger, als sich der eigenen echten Realität zu stellen. Wenn man sich dieser Art der Realität stellt, fängt es an weh zu tun. Ein Gehör entwickelt für die Stimmen, die Widersprüche, die Ambivalenz. Ein Gehör für die Wut, für die Liebe, den Schmerz, für die Wünsche und Träume. Ein Gehör dafür, dass wir im großen Stil betrogen werden von den Medien, von der Gesellschaft, von Freunden und von der eigenen Familie.
    Du bist doch krank heißt es dann. Du hast ein Problem, Du bist nicht integrierbar. Integrierbar in was? In den großen Haufen Scheiße der sich Gesellschaft nennt und mir verbietet Ich zu sein? Na vielen Dank.
    Es geht immer auch um Angst, Existenzangst, Angst vor der Zukunft, Angst vor Krieg, Angst vor Krankheiten, Verlustangst, aber die größte Angst bleibt immer die Angst vor der Wahrheit, nicht mal unbedingt vor der definierbaren Wahrheit, sondern vor Tatsachen. Tatsachen, die zum greifen nah sind, wenn man sich die mediale rosarote Brille vom Gesicht reißt.
    Die kämpfen wollen, sie sollten kämpfen. Irgendwer, der die Kraft dafür hat sollte kämpfen. Aber auch diese Kämpfer sollten darüber nachdenken, ob sie nicht auch einen Innen-Diktator herangezüchtet haben, der vehement ein seelisches Terrorregime führt, was dazu ausarten kann, in der eigenen Seele Handgranaten zu werfen, ohne Rücksicht auf Verluste. Finster wird das Erwachen sein, wenn man dann merkt, wie viele Kinder von Splitterbomben zerfetzt wurden und man nur ganz alleine dafür die Verantwortung trägt. Mit dem Scherbenhaufen muss man leben, entweder man verdrängt, man versucht zu kitten oder man versucht den Tatsachen ins Auge zu sehen und versucht einen besseren Weg zu finden. Einem mit dem alle zufrieden sind. Wo jeder gleich viel wert ist und das bekommt, was er braucht. Auf welche Art und Weise auch immer, aber in jedem Fall eine liebevolle und gerechte, durchdacht und logisch, voller Geduld für das eigene Innenleben. Voller Geduld, weil es dauert, die Verletzungen zu heilen, die uns andere zugefügt haben oder wir uns selbst.
    Das ist der Kampf, den jeder führen sollte, da fängt es an. Wie sollen wir die Welt retten, wenn wir nicht mal uns selbst retten können? Wie sollen wir die Welt verändern, wenn wir in unsere Seele Napalbomben und Tretminen schmeißen, ohne Rücksicht auf Verluste?
    Innen geht der Punk.
  • (Stoffverwechslung?)-Wechseltstoff-Stoffwechsel


  • Ich bin unsichtbar....

    und deshalb kann das hier niemand lesen!

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