Einen Satz mit
eigentlich zu beginnen ist eigentlich nur große Scheiße. Denn darum geht
es, nicht um das eigentlich, was wir jeden Tag leben, was die anderen
sehen, während in uns eigentlich der Punk geht.
Also geht es
eigentlich immer nur darum, die Waschmaschine zum laufen zu bringen, die
Klos zu putzen, sich die Haare zu kämmen und gute Miene zum bösen Spiel
zu machen. Übrig blieben viele sterbende Ja-abers. Verreckt liegen sie
zwischen Besen und Putzeimer unter dem Küchentisch voller
Wohlstandskrümel.
Innen geht Punk, aber wen interessiert
das, wenn der Wäscheberg immer höher wird? Wozu die Welt retten, wenn
man vorher schon weiß, dass es scheitern wird. Wozu ein ganzes Buch
schreiben, wenn man aus all den kleinen Geschichten auch eine Short
Story Auflage machen könnte. Das Leben besteht nämlich aus diesen
verfickten Short Storys und nicht aus einem Roman, der mit einem Ja-aber
beginnt und einem Wäscheberg endet.
Abgesehen davon würde sich
zum Eigentlich/Ja-aber noch ein Vielleicht dazu gesellen, welches sich
seiner Sterblichkeit bewusst ist. Denn ein Vielleicht zu sein bedeutet
so viel wie immer auf der letzten Bank zu sitzen. Vielleicht bedeutet
gar nichts. Das Vielleicht weiß es, Du weißt es und ich weiß es. Alle
wissen es.
So kann man sich dann von Tag zu neu Tag neu
überlegen, ob man beim Aufstehen an die Wäscheberge und die Spülmaschine
denken will, oder ob man sich zusätzlich den anderen Zwängen des
Alltags unterwirft. Man kann sich auf die Ja-abers fixieren, sich an
ihnen festsaugen bis man glaubt, das die Symbiose Ich&Ja-aber einen
perfekten Zustand erreicht hat und die Synapsen mit denen des Ja-abers
verschmelzen. Als Ja-aber Symbiont geht auch irgendwann innen der Punk
nicht mehr, da alles gleichgültig wird. Nicht die Wäsche oder die
Zwänge, aber das Innenleben, die Liebe, die Freude, Wut und Schmerz. All
das stirbt kläglich leise Tag für Tag unter dem Mantel des Ja-abers,
des Vielleichts und dem Eigentlich…
Was wird, wenn aus den
ganzen Ja-abers ein ich sollte wird? Das ist weder ein Witz noch eine
Satire, das ist der ultimative bittere Ernst. Was ist das ich sollte,
wenn man morgens mit tausend Stimmen und Gedanken im Kopf wach wird,
voller Widersprüche und Gefühle, die in der heutigen Zeit in ein
imaginäres KZ verschleppt werden und man sie dort vergast?
Was
übrig bleibt ist eine innerliches Terror-Regime, wo man vorab
entscheidet, welches Ich man zum Diktator ernennt, nur um einen Platz in
der Gesellschaft zu finden, der konform mit den medialen Werten geht,
konform mit der Scheiße, die über Generationen hinweg in irgendwelche
Köpfe gehämmert wurde, weil irgendwann mal irgendwer meinte, dass es
richtig wäre und dies auch noch gewinnbringend unter die Menschen
gebracht hat.
Wenn der Ich-Diktator jeden Tag mit aller Gewalt
über die anderen Ichs hinwegdonnert, der Konformität halber und die
Realität, die man sich gebaut hat, anfängt nach heuchlerischer Wahrheit
zu riechen- dann sollte innen der Punk gehen. Alles stirbt, alles krankt
und alles fängt an zu stinken nach der Fäulnis der Spaßmacher und
Leistungsgesellschaft.
Ab da gibt es kein Ja-aber mehr, was
stirbt, das stirbt. Manchmal tut es nicht mal weh. Langsames
dahinsiechen schmerzt weniger, als sich der eigenen echten Realität zu
stellen. Wenn man sich dieser Art der Realität stellt, fängt es an weh
zu tun. Ein Gehör entwickelt für die Stimmen, die Widersprüche, die
Ambivalenz. Ein Gehör für die Wut, für die Liebe, den Schmerz, für die
Wünsche und Träume. Ein Gehör dafür, dass wir im großen Stil betrogen
werden von den Medien, von der Gesellschaft, von Freunden und von der
eigenen Familie.
Du bist doch krank heißt es dann. Du hast ein
Problem, Du bist nicht integrierbar. Integrierbar in was? In den großen
Haufen Scheiße der sich Gesellschaft nennt und mir verbietet Ich zu
sein? Na vielen Dank.
Es geht immer auch um Angst,
Existenzangst, Angst vor der Zukunft, Angst vor Krieg, Angst vor
Krankheiten, Verlustangst, aber die größte Angst bleibt immer die Angst
vor der Wahrheit, nicht mal unbedingt vor der definierbaren Wahrheit,
sondern vor Tatsachen. Tatsachen, die zum greifen nah sind, wenn man
sich die mediale rosarote Brille vom Gesicht reißt.
Die
kämpfen wollen, sie sollten kämpfen. Irgendwer, der die Kraft dafür hat
sollte kämpfen. Aber auch diese Kämpfer sollten darüber nachdenken, ob
sie nicht auch einen Innen-Diktator herangezüchtet haben, der vehement
ein seelisches Terrorregime führt, was dazu ausarten kann, in der
eigenen Seele Handgranaten zu werfen, ohne Rücksicht auf Verluste.
Finster wird das Erwachen sein, wenn man dann merkt, wie viele Kinder
von Splitterbomben zerfetzt wurden und man nur ganz alleine dafür die
Verantwortung trägt. Mit dem Scherbenhaufen muss man leben, entweder man
verdrängt, man versucht zu kitten oder man versucht den Tatsachen ins
Auge zu sehen und versucht einen besseren Weg zu finden. Einem mit dem
alle zufrieden sind. Wo jeder gleich viel wert ist und das bekommt, was
er braucht. Auf welche Art und Weise auch immer, aber in jedem Fall eine
liebevolle und gerechte, durchdacht und logisch, voller Geduld für das
eigene Innenleben. Voller Geduld, weil es dauert, die Verletzungen zu
heilen, die uns andere zugefügt haben oder wir uns selbst.
Das ist
der Kampf, den jeder führen sollte, da fängt es an. Wie sollen wir die
Welt retten, wenn wir nicht mal uns selbst retten können? Wie sollen wir
die Welt verändern, wenn wir in unsere Seele Napalbomben und Tretminen
schmeißen, ohne Rücksicht auf Verluste?
Innen geht der Punk.

Gefällt mir eigentlich ganz gut. Und uneigentlich gefällt mir das richtig gut, aber so RICHTIG! Rette die Welt - rette Dich selbst.