STRICHER waren eine der besten deutschen Postpunk/Wave Bands der 80er Jahre, die souveränen Bands wie den britischen Chameleons, Echo & the Bunnymen, Joy Division, the Sound, Comsat Angels, Psychedelic Furs das Wasser reichen konnten und dabei wunderbare deutsche Texte verfassten, deren Metaphern sehr eigen und romantisch bis melancholisch schillerten und faszinierten und absolut für sich standen.
Texter Jan Selber textete und komponierte später auch für Rio Reiser und Anette Berr.
Musikalisch waren STRICHER vertonte Existenzphilosophie, in Moll getränkte Gitarren-Wände, spartanischer trockener Schlagzeugbeat und Echo-Verlorenheit.....Wall of Sound - Eskapismus mit gothpunkiger, tropfender Einsamkeitsromantik.
STRICHER waren ihrer Zeit voraus und textlich und atmosphärisch nur mit wenigen vergleichbar; nur mit einigen wenigen, ebenbürtigen Stilgenossen und Geistesbrüdern: MONA MUR, den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN und FLUCHT NACH VORN, mit denen sie sich denn auch öfters projektweise Bühnen und Bandmitglieder teilten und austauschten.
STRICHER waren eine der einzigen Bands unter all den hiesigen, sklavisch anglo-amerikanischen Abziehbildchen und braven Idol-Fan-RockPop-Schwiegersöhnchen der New Wave-Ära, die sich trauten deutsch zu singen und dabei etwas anderes als Westernhagen und Kunze oder die stromliniengewellten NDW'ler zu versuchen. Etwas, das nur die Neubauten, Kosmonautentraum, Fehlfarben oder diverse Ausnahmebands des Alfred Hilsberg Labels in Hamburg sich wagten, was nur Bands wie Blumfeld, die Regierung oder die STERNE später weiterführten.
STRICHER waren die einzige Männerband mit einer Frau an den Fellen, Trommeln. Und sie war verdammt gut. Nichts da: Augenzudrück-Frauenbonus! Maike Christiansen trommelte x-mal besser, origineller als viele männliche Kollegen und nie so overkill-rockistisch, viel mehr unprätentiöser, geradliniger, songdienlicher, treibend untermauernder, hatte einen eigenen prägnanten Stil, den man /frau sonst nur bei Thomas Wydler (die Haut/Nick Cave)oder Bobby Gillespie (heute PRIMAL SCREAM) bei den JESUS & MARY CHAIN zu hören bekam. Reduziert, prägnant, Tribalbeat...
STRICHER waren ein kollektiv, eine Band, die man eine solche nennen konnte, ein homogenes Gefüge aus dennoch herausstehenden Einzelpersönlichkeiten, ureigenen Profilen, die zusammengenommen die einzige Einstürzenden Neubauten-Konkurrenz auf Augenhöhe ausmachten: textlich und von den Arrangements her, und dabei musikalisch atmosphärisch dicht, trotz absoluter Spartanik. Und STRICHER erzielten diese nur den Neubauten verwandte " Architektur " und ihre Wirkung allein mit der konventionellen Rockbesetzung, mit skelletthaften, genialen Post-Punk-Minimalismus, den auf der anderen Seite des Wassers sonst nur grosse Geister wie die Gang of Four, Wire oder die Young Marble Giants auf ihre Weise hinbekamen.
"Romantik!" deklamierte Sven Regener später als Parole mit seinen ELEMENT OF CRIME..STRICHER waren defintiv die Ur-Romantiker Berlins.
Einige Bandmitglieder zerstreuten sich noch, talentiert wie sie alle waren, in sämtliche Talentschmieden und Pools der Republik:
Helmut Schweikert spielte seine Gitarre und anderes später bei SEEN LINKS SCHLÖSSER RECHTS, Jochen Hansen spielte Bass bei der SEUCHE, ABWÄRTS und in RIO REISERS Solo-Tourband Jan Selber übernahm Klavier, Komposition, Texterrolle und zweiten Gesang bei der Berliner Schnauze-Chanteuse Anette Berr und Siewert Johannsen spielte seine unnachahmliche Ennio Morricone-Gitarre bei der, neben MALARIA und X-MAL DEUTSCHLAND, ersten, mondänen Goth-Diva Deutschlands MONA MUR.
Dann wurde es leider still um eine der besten Berliner Bands. Die Spiele sind vorbei......
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