|
Zimbl
ist trauriger- und tragischerweise am Sonntag, dem 18. Juni 2006 im Alter
von 41 Jahren in Kassel verstorben. Er wurde zwei Tage später in seiner
Wohnung in Kassel gefunden. Sein Tod ist ein großer Verlust nicht nur
eines absoluten Musikers mit einer genialen Stimme sondern vor allem der
eines liebenswerten und humorvollen Menschen mit viel Herz, der vielen
von uns Vieles gegeben hat.
Zimbl wird am 7. 10. 1964 in Eschwege unter dem Namen Markus Ernst Eugen
Zimmer geboren. Er wächst in Reichensachsen, einem kleinen Ort bei
Eschwege, mit seinen Eltern Ursula und Jochen sowie mit seinem jüngeren
Bruder Mario auf. Mit 5 Jahren bekommt Zimbl seine erste Kindergitarre
geschenkt.
1971 wird er in Reichensachsen eingeschult. Mit 8 Jahren bekommt er seine
erste richtige Gitarre. Das Spielen hat er sich selber beigebracht, nach
Gehör spielt er u.a. Stücke von Cat Stevens nach. Er nimmt auch
etwa 6 Monate Gitarrenunterricht woraufhin sein Lehrer den Eltern bald
mitteilt es hätte keinen Sinn mehr, er könne dem Jungen ja nichts
mehr beibringen.
1975 wechselt Zimbl von der Grundschule auf das Gymnasium Leuchtbergschule
in Eschwege. Besonders gut ist er in Deutsch, in Englisch sogar sehr gut,
aber die rechte Lust an der Schule will nicht aufkommen weshalb er dann
schliesslich auf die Eschweger Realschule wechseln muß. Dort qualifiziert
er sich sogar für einen überegionalen Mathewettbewerb, weiss
seine Teilnahme daran aber bewusst zu verhindern, (er hätte dafür
Eschwege verlassen müssen) und verhaut die Qualifikationstests vorsätzlich.
Typisch für ihn: was er nicht tun wollte hat er auch nie getan. Er
war schon immer ein Rebell. Auf der Gebrüder Grimm Schule trifft
Zimbl dann den Heinz, der mit ihm dort die Schulbank drückt. Heinz
spielt Schlagzeug, und so gründen die zwei 1979 die Band Sticky Fingers,
benannt nach dem gleichnamigen Stones Album. Da ein Schlagzeug und eine
Gitarre ein bisschen wenig zu sein scheinen, machen die beiden sich auf
die Suche nach Mitstreitern für ihre Band. Zimbl hat gehört,
dass in einer Kneipe im benachbarten Hoheneiche eine Band proben soll.
Hinter der Zapfanlage stossen sie dann auf den Gastwirtssohn Armin, der
ebenfalls Gitarre spielt und anbietet, es doch mal zusammen zu versuchen.
Eine grosse Gemeinsamkeit gibt es ja bereits, alle 3 sind begeisterte
Rolling Stones Fans, allen voran von Brian Jones, und die Stones Biographie
kennen sie fast auswendig. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass
die Sticky Fingers fast ausschliesslich Songs ihrer Lieblingsband covern.
Während die Punk Bewegung aus England um Bands wie die Pistols und
den amerikanischen Ramones in den Grossstädten schon längst
ihren Höhepunkt erreicht hat, hält sie in und um Eschwege erst mit
leichter Verzögerung Einzug. Zimbl berichtete oft von einem Fernsehauftritt
der Ramones, den er damals zufällig gesehen hat, und wie sehr ihn
dieser beeinflusst habe. Die Haare werden daraufhin gefärbt und der
Sound der Sticky Fingers verändert sich nun mit den Frisuren zwangslaeufig....
Die Band probt damals, wie fast alle Kids die in Bands spielten, im JUZ,
dem Jugendzentrum Eschwege. Dort probt auch ein junger Schlagzeuger mit
seiner Jazzband, ein gewisser Frank Klubescheidt. Da Punks und Jazzer
nicht so gut miteinander können, beobachtet man sich erstmal nur ein bisschen
gegenseitig. Irgendwann kommt es dazu, dass Klube einer Bandprobe der
Fingers beiwohnt, und eigentlich nur ihrem Drummer Heinz ein paar Dinge
am Schlagzeug zeigen will. Diese Probe ist ein Aha Erlebnis der Band,
auf einmal funkt es. So muss es sein. Der Heinz räumt von selber
seinen Platz und von da an bearbeitet Klube das Schlagzeug.
1983 macht Zimbl seine mittlere Reife und muss im Anschluss seinen 14-monatigen
Wehrdienst bei den Panzerjägern in Sontra absolvieren. Die Band benennt
sich um in Nuclear Graffity. Zimbl hat mittlerweile, neben seiner Funktion
als Sänger der Band, auch schon von der Gitarre zum Bass gewechselt.
Es folgen mehrer kleine Auftritte, der erste größere beim Open
Flair Festival in Eschwege, welches bis heute existiert. Zimbl fängt unterdessen
eine Lehre in einer Druckerei an, welche er aber nach wenigen Monaten
wieder schmeißt, um eine Ausbildung zum Tischler zu machen, die
er kurz vorm Ende der Lehrzeit an den Nagel hängt, um sich ausschliesslich
der Musik zu widmen. Als Wendepunkt und als eine Art Offenbarung beschreibt
er ein Konzert der Chameleons 1984 in Schüttdorf. Inspiriert durch
den psychodelischen Sound der Chameleons kommt das erste Mal der Gedanke
an eine zweite Gitarre auf. Diese zweite Gitarre findet schliesslich Klube,
nämlich in dem jungen Thomas Möller alias Pogo. Der spielt zu der
Zeit bei der Band The Difference zusammen mit Kay und George, die heute
zusammen mit Klube die Cardiac Pacemakers bilden.
Im Jahr1984 besteht Nuclear Graffity aus Zimbl am Bass und Gesang, Armin
(Sologitarre), Klube (Schlagzeug) und Pogo (Rhythmusgitarre). 1986 wird
aus Nuclear Graffity dann The Bates. Das erste Bates Konzert in dieser
Besetzung findet in diesem Jahr im JUZ im Rahmen der ersten Eschweger
Independent Night statt. Dieses Konzert findet bereits Beachtung in der
regionalen Presse und das Interesse an der Band steigt. Zimbl ist mittlerweile
von zu Hause ausgezogen und bewohnt eine kleine Wohnung zusammen mit seiner
damaligen Freundin Trudi in Eschwege. Zu dieser Zeit müssen alle
noch nebenher jobben. Es wird ein Demo Tape namens „Blood in the Shower“
aufgenommen. Es folgen etliche kleine Gigs, darunter auch einer hier im
Kasseler Spot, bei dem auch das Demo verkauft wird. Nach diesem Konzert
erhält die Band die Anfrage ob sie nicht eines ihrer Stücke
für einen geplanten Sampler zur Verfügung stellen möchte.
Der Song Wet Look erscheint auf dem Sampler „Good Music for Good Men“
der beim Indie Label Weckewerk Records rauskommt. Daraufhin wird ein gewisser
Detlef v Duhn, Chef der Black Fantasy Records, aufmerksam auf die Bates
und nimmt sie unter Vertrag. 1989 wird das erste Album „No Name for the
Baby“ in nur 2,5 Tagen quasi live eingespielt. Ein Jahr später erscheint
die Shake beim gleichen Label. Im gleichen Jahr verlässt Armin die
Band um sich seinem Theologie Studium zu widmen. Zimbl Pogo und Klube
machen vorerst zu dritt weiter. Auf Dauer fehlt aber die zweite Gitarre.
Die Band liegt eine Zeitlang auf Eis, Zimbl und Klube treten zusammen
als das Duo Suzis auf. Richtig befriedigend ist dieser Zustand allerdings
für keinen. Also wird beschlossen, doch mit den Bates weiter zu machen.
Nach langem Suchen und Auspobieren wird Michael Rebbig alias Reb in die
Band geholt Die Bates existieren wieder und wie sich später heraustellen
wird auch in der erfolgreichsten Konstellation. 1992
folgt eine Tournee, und noch eine Platte, die Psycho Junior, jetzt bei
einem neuen Label. Eine Live Platte, die Unfucked, wird aufgenommen, mittlerweile
gibt es ein Management, und der erste MajorDeal bei Virgin Records wird
1993an Land gezogen. Es folgen erfolgreiche Jahre, insgesamt 12 Platten,
Tourneen, Festivals, Headliner Shows, Fernsehauftritte, die Bates spielen
mit Bands wie Peter and the Test Tube Babies, Mega City 4, den Toy Dolls,
Ramones, den Ärzten, und Motorhead. Sie erscheinen auf den Titelblättern
der Bravo und den Musikmagazinen, ihre Songs laufen im Radio, in der Heavy
Rotation bei MTV und Viva. Es werden Videoclips in Schweden, den USA und
in Österreich gedreht. Kurzum die Band hat es geschafft. Das meiste
ist ja bekannt. In der Zwischenzeit ist Zimbl nach Kassel gezogen, wohnt
dort zusammen mit seiner Freundin Tanja. Allerdings ist er kaum zu Hause,
wohnt mehr aus dem Koffer und in den Hotelzimmern der Welt als in seiner
Wohnung. Wenn er von einer Tour kommt, fällt er meist in ein depressives
Loch, zu krass ist der Unterschied zwischen dem Leben auf Tour und dem
normalen Leben zu Haus. Er lebt für die Musik, zu sehr hat er sich
an das Feiern gewöhnt, an die After Show Parties, die Exzesse. Alkohol
und Drogen gehören schon seit langem zu seinem Alltag. Trotzdem geht
er weiterhin auf Tour. Er sagt von sich, Rock n Roll sei sein Leben, und
dieses sei das Leben, das er immer wollte. Er lebe seinen eigenen Traum.
Genau so und nicht anders. Gesundheitlich geht es ihm dabei immer schlechter,
sein Körper macht die Exzesse nicht mehr mit. 1997 beschliesst die
Band deshalb, eine einjährige Pause einzulegen. Zimbls Freundin verlässt
ihn und er bezieht ein kleines Appartment in Kassel. „Ich brauche nicht
viel“, hat er mal zu mir gesagt, „ein Zimmer so gross wie ein Hotelzimmer
das reicht mir vollkommen.“ Zimbl
schreibt in dieser Zeit die Texte der Intravenus. Er verarbeitet damit
seinen Liebeskummer. Es geht ihm schlecht. Die Intravenus erscheint im
darauffolgendem Jahr, 2 Tourneen folgen in diesem Jahr, eine im Frühjahr
und eine im Herbst, dazu noch im Sommer die Festivals. Das ist anstrengend
für alle. Innerhalb der Band kriselt es, Zimbls Gesundheitszustand
macht alle besorgt, zudem muss Pogo die Band Ende 98 verlassen. Das letzte
Bateskonzert mit Pogo findet am 28.12.1998 in der Frankfurter Batschkapp
statt. Die Bates machen vorerst zu dritt weiter. Es
erscheint die Bitter End. Mitte 99 kommt der neue Gitarrist Dully dazu.
Die Bates nehmen noch eine Platte auf, es wird eine Japan Tournee gespielt,
aber irgendwie ist die Luft raus. Von Auflösung will zwar keiner
sprechen, nur von einer Pause. Eine neue Platte sei für 2001 geplant
aber dazu wird es nie kommen. Das allerletzte Bates Konzert findet am
7.10.2000, an Zimbls 36sten Geburtstag, in Neunburg statt. Zimbl lebt
nach wie vor in Kassel in seinem Appartment. Er spielt viel Gitarre, komponiert,
schreibt Texte und versucht mit seiner Sucht zu leben.
Er hält engen Kontakt zu seinen Eltern. Im Jahr 2000 steht er erstmals
für wenige Minuten wieder auf der Bühne, als Gastsänger
bei Pogos neuer Band Wonder 99 in Oldenburg. Im darauffolgendem Jahr probiert
er verschiedene Projekte, spielt unplugged mit Akkustik Gitarre. als Support
für Wonder 99 zusammen mit einer Freundin am Mikrofon im Hamburger
Marquee. 2002 spielt er mit Klube einen Auftritt als Suzis im Rahmen eines
Benefizkonzertes in Erfurt. Später im Jahr folgt noch einmal Vorprogramm
für Wonder 99 im JUZ in Eschwege, diesmal mit seinem Kumpel und ehemaligen
Bates Backliner, Dieter, der Zimbl nicht etwa am Drum, sondern am Pizzakarton
begleitet. Mittlerweile lebt Zimbl mit seiner Freundin Jasmin in Kassel
in einer neuen Wohnung zusammen. Sein Gesundheitszustand variert, er hat
einige verschiedene Krankenhausaufenthalte hinter sich, aber macht zu
dieser Zeit einen einigermassen fitten Eindruck. Er hat seit Jahren die
ersten komplett cleanen Phasen. Trotzdem erlebt er zeitweise auch wieder
Rückschlaege. Obwohl er nichts lieber täte als sofort wieder
seine Band zu beleben und auf Tour zu gehen, scheint ihm die Ruhe ohne
die exzessiven Parties gut zu tun. Zimbl wird ruhiger und auch nachdenklicher.
Er komponiert und schreibt weiterhin leidenschaftlich an seiner Musik.
Er nimmt 2003 ein unplugged Platte mit dem Titel Zimbl unplugged auf.
Er spielt in den Jahren 2003 bis 2005 ca.22 Soloauftritte, u.a. sind auch
4 Support Gigs für die Toy Dolls dabei. 2004 erscheint noch eine
weitere Scheibe, die Bubblegum Trash Forever. Sein letztes Konzert findet
im Mai 2005 in Wunsdorf statt. Er macht eine Therapie. Er beginnt ein
normales Leben zu führen. Im Sommer 2005 zieht sich Zimbl bei einen
Sturz eine schwere Kopfverletzung zu und muss deswegen für 3 Monate
in die Klinik. Von diesem Unfall erholt er sich nur schwer. Er befürchtet,
nie wieder richtig Musik machen zu können, eine Horrorvorstellung
für ihn. Trotzdem schreibt er weiterhin Songs. Im Fruehjahr 2006
trennen sich Zimbl und seine Freundin räumlich. Er bezieht ein 1-Zimmer-Appartment
in der Kasseler Mombachstrasse. Zimbl lebt zurückgezogen. Er beginnt viel
übers Leben nachzudenken, trotzdem lässt ihn seine Sucht nicht
los. Am Sonntag den 18. Juni 2006 stirbt Zimbl, vermutlich in den Abendstunden,
allein in seiner Wohnung an Herz-Kreislauf-Versagen.
Was bleibt?
Zimbl war ein genialer Musiker.Er hat für seine Musik gelebt.Zu einem
gewissen Punkt ist er auch an ihr gestorben. Dafür das er seinen
Traum gelebt hat, hat er auch einen hohen Preis gezahlt. Menschen wie
Zimbl werden nicht alle Tage geboren, er hatte diese gewisse Aura, wenn
er einen Raum betreten hat ist etwas passiert. Frauen wie auch Männer
haben sich von seiner Austrahlung angezogen gefühlt, das kann man
nicht lernen damit muss man geboren werden. Seine Stimme, seine Musik
und seine Texte haben sovielen von uns ungeheuer viel gegeben.Er hat dadurch
Menschen in sovielen unterschiedlichen Lebenssituationen aus der Seele
gesprochen.Viele mit denen ich gesprochen habe ,haben erzählt dass
seine Musik sie durch ihre gesamte Jugend begleitet hat. Wenn man etwas
über den Menschen Zimbl erfahren will, wie er gelebt hat was er gefühlt
hat dann muss man seine Texte lesen. Da steht alles drin was er gewesen
ist. Er war ein sensibler, humorvoller aber auch melancholischer Mensch
mit einem großen Herz.Wenn es anderen schlecht ging, konnte er das
schlecht ertragen. Er hatte auch seine Schwächen, er war auch ein
Egozentriker, ein Borderliner, der oft bis an die Grenzen ging. Gerne
hat er geschockt, immer gern genau das Gegenteil von dem getan was von
ihm erwartet wurde. Aber das meiste hat er mit grosser Leidenschaft getan.
Es ist nicht immer leicht gewesen mit ihm befreundet zu sein aber niemals
im Leben möchte ich seine Freundschaft missen. Abschiede hat er gehasst
wie der Teufel das Weihwasser damit konnte er nicht umgehen, und so ist
er auch gegangen, ganz still und lautlos.Das war bestimmt ganz nach seinem
Geschmack. It s better to burn out than to fade away. Das hast du wörtlich
genommen.Viele von uns haben gesagt das sie es haben kommen sehen, das
es klar war das er nicht alt werden konnte bei seinem Lebensstil. Man
hätte denken können das Jemand der so lebte wie er sich mit
einem Donnerknall verabschieden würde, das wir es hätten merken
müssen, wo wir doch alle so sicher waren das es so kommen würde
wie es gekommen ist, aber nein das wäre nicht sein Stil gewesen.
Er hat es immer anders gemacht .Trotzdem hat es uns getroffen wie ein
Donnerschlag, wie eine riesige Welle die uns den Boden unter den Füßen
wegreisst. Das ist so wenn man jemand liebt, glaube ich. Zimbl Dein Tod
reisst eine Lücke die niemals geschlossen werden kann. Du lebst durch
unsere Errinnerungen an Dich und vor allem durch Deine Musik weiter. Jemanden
wie Dich kann man nicht vergessen. Wir nehmen es Dir verdammt übel
das Du einfach gegangen bist. Da war noch zuviel was nie gesagt oder getan
werden konnte. Aber irgendwann kommt auch unsere Zeit, dann wird’s soweit
sein, dann sehen wir uns wieder und dann kriegste dafür eine geschossen.
Die Schlange wird verdammt lang sein, versprochen.
If you were only here my friend you would have a real cool time!
Danke an die Autoren dieses Textes.
Diese Seite dient als Denkmal für einen der größten Deutschen
Musiker seiner Art, und soll dazu beitragen, daß Er und seine Musik
niemals in Vergessenheit geraten.
peace and love...
|