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PAULSREKORDER
Paulsrekorder vertraten Anfang 2008 bei Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" würdig ihren Stadtstaat Bremen, aus dem sie stammen oder in dem sie ihre Wahlheimat gefunden haben. Ihr Song "Anna" hatte natürlich gegen die etablierte Deutschpop-Großkonkurrenz keine Chance, dennoch bliesen die Bremer in nicht mal drei Minuten Millionen von Gehörgängen frei und galten für viele als Sieger der Herzen.
Entstanden ist der Name "Paulsrekorder" auf einer feuchtfröhlichen Party 2002, als sich zu fortgeschrittener Stunde plötzlich alle "Paul" nannten. "Rekorder" war ohnehin eines der Lieblingsworte der Musiker – da war der Weg nicht weit.
Paulsrekorder haben 2002 als Indie-Kapelle angefangen. Das sagt sich so dahin. Als was denn sonst? Fast jede Band, die im Proberaum abrockt, klingt erst mal nach Garage. Paulsrekorder entwickelten sich aber nicht zu einer Combo mit Indie-Attitüde. Dazu klang die Musik von Beginn an viel zu unterhaltsam, und die Texte hatten Hirn und Hintern, ohne verkrampft bedeutungsschwanger sein zu müssen. David würde nie Zeilen schreiben "für die man entweder ein Philosophiestudium braucht, oder die immer so klingen, als ob sie eine Menge sagen können wollten". Andererseits reimt sich bei Paulsrekorder nicht "Haus auf Maus", nichts klingt prollig oder wie bei so mancher Deutschpop-Konkurrenz derart peinlich, dass es einem die Schamesröte ins Gesicht treibt.
Paulsrekorder sind keine Fun-Rock-Band, geben sich aber auch nicht spaßfeindlich: "Wir nehmen uns selbst nicht allzu ernst, deshalb wird man bei uns auch immer kleine Seitenhiebe auf typische Rockstarposen finden. Vor allem unser Gitarrist Kai der ist der Poser überhaupt." Angetrieben von den Drums des gebürtigen Schwarzwälders Sebastian und dem Bass von Davids Bruder Jonas (der zusammen mit ihm auch immer wieder die markanten, scharfen 80er-Jahre-Synthies traktiert), ist die Musik von Paulsrekorder am Ende des Tages halt doch immer noch handgespielter, frenetischer Gitarrenrock – da dürfen die beide Saitenquäler Frederik und Kai auch mal die eine oder andere Pose aus der Dose kratzen.
Gemeinsam mit den Produzenten Michael Tibes (Nena) und Christian Neander (Pohlmann, Niels Frevert) brachten Paulsrekorder im Studio in aller Ruhe und Entscheidungsfreiheit ihren Sound auf den Punkt. "Vorbilder an sich haben wir eigentlich nicht. Wichtig ist, an sich zu glauben, nicht ständig die Fahne in den Wind zu halten."
Was Paulsrekorder aus der Musik von Selig und Spliff, von DAF und Nationalgalerie, von den Talking Heads und Muse, von Niels Frevert und Nena, von Bloc Party und The Killers ziehen konnte, war "die spezielle, ganz eigene Atmosphäre, die sie schaffen. Wie sich ein Song melodisch und harmonisch bewegt, wie sich ein Refrain daraus entwickelt." Die Atmo bei Paulsrekorder ist denn auch eher eine Art lebensfroher Sturm und Drang, aber "nie böse oder düster".
Ansonsten piekst bei vielen Paulsrekorder-Songs immer wieder ein kleiner Eighties-Stachel ins Ohr. Heiss geflirtet wird mit der Neuen Deutschen Welle (NDW). Und das, obwohl der Großteil der Band selbst noch nicht mal zur Schule ging, als Extrabreits "Hurra Hurra die Schule brennt" aus dem Radio qualmte. Von kühl-alternativ (Ideal) bis Happy-eingängig (Nena) reichen die NDW-Einflüsse. Doch Paulsrekorder sind keine Mainstream-Mucker, sie haben nur keine Angst vor eingängigen Melodien. Solange es rockt.
Davids Texte basieren auf Geschichten, die er selbst erlebt hat. Und weil in seinem Leben auch immer sehr viel Spaß im Spiel ist, sind sie geprägt von positivem Lebensgefühl. Bei "Anna" singt David die Zeile "Komm wir leben das Gefühl, bevor es sich verliert" und will damit einen kleinen Anstoß geben, "doch mal nachzudenken über die Dinge, bei denen es sich lohnt, noch mal darüber nachzudenken."
Bei Paulsrekorder ist das Glas immer halb voll, auch wenn man den Rest schnell mal verschütten kann.

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